Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 433 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wohin gehst Du? BKr- : — 438 r: : Wohin gehst Du? Süddeutschland, August 1927. Lieber ״Jeschurun״! Erlaube mal, dass Dir ein Freund, der sich immer auf die Ankunft und das Lesen Deiner Hefte freut, einen Brief schreibt, den Du abdrucken oder nicht abdrucken kannst, ganz, wie es Dir gut scheinen wird. Ich schreibe Dir einen Brief, weil das, was ich Dir mitteilen will, in dieser legeren Form entsprechend meinem Temperament und auch entsprechend den Ausführungen, die ich Dir machen will, gegeben werden soll. Du nennst Dich eine ״Zeitschrift für Lehre und Leben im Judentum“, aber vom ״Leben״ ist ausserordentlich wenig darin die Rede. Gewiss, Du willst und sollst keine Zeitung sein — wir haben deren ja genug, schlechte und gute (?) (Fragezeichen vom Verfasser des Briefes) — aber dies würde nicht hindern, dass Du in jedem oder mindestens in jedem zweiten Hefte Ausführungen über Dinge im politischen, religiösen, gesellschaftlichen und literarischen Leben der heutigen Judenheit in Deutschland und im uns interessierenden Auslande bringst. Artikel, welche das heutige Leben und die Ereignisse in grossen von einem höheren Standpunkte aus geschilderten Zügen darstellen, kritisieren und Richtung geben. Ich lese immer mit einem gewissen Neide die allgemeinen Rundschauen und Revuen, sogar die konfessionellen wie das katholische ״Hochland“, wo in vornehmer, abgeklärter Ruhe, von überragendem Standpunkt aus Stellung genommen wird und Richtung gegeben für alles, was die 0Öffentlichkeit, die allgemeine und die besondere Gruppe, für welche die Zeit- Schrift bestimmt ist, bewegt. Warum gibt es derartiges nicht bei uns Juden? warum lesen wir, abgesehen von. den Artikeln Deines Herrn J. W. und manchmal, aber selten, noch einiger wenigen anderen Verfasser, nie etwas Allgemeines, Umfassendes und gar nie wirklich Lebensvolles, Aktuelles über Vorgänge, Bedürfnisse, Meinungen, Gefühle und Stimmungen im öffentlichen jüdischen Leben? Es gibt doch solches bei den tausend verschiedenen Parteiungen, Gruppierungen der heutigen Judenheit! Warum denn immer — bei aller Hoch-