Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 432 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Zu Psalm 115 Das gleiche gilt für den Nachsatz: ,Wir aber preisen Gott von nun an bis in Ewigkeit“. Derselbe gipfelt in dem Willen, Gott bis in alle Ewigkeit zu preisen. Der Sänger weise, dass das Leben etwas vergängliches ist, und dass er sterben wird. Aber er lässt das in seinem glühenden Dankgefühl ausser Ansatz und steigert den Wert und die Grösse der göttlichen Gnade durch die Hervorhebung, dass sie nicht anders als durch einen ewig währenden Lobgesang gefeiert werden kann. Es bedarf nicht erst des Ausgleichs, dass sich die ewige Lobpreisung auf die Gesamtheit, auf das ewige Volk Israel beziehe, obwohl auch dieser Gedanke mit dahinter schlummert. Sprechen doch zahlreiche Psalmenstellen z. B. 145,1 von dem ewigen Lobpreisen des Einzelnen. Der Psalmist leugnet nicht die Tatsache des Todes. Aber er lässt sie in seinem überströmenden Gefühl völlig ohne Berücksichtigung, um hierdurch die Bedeutung der göttlichen Gnade auf das höchste zu erheben. IV. Die Welt des Denkens und der Kritik, die Welt der ,reinen Vernunft“ beruht auf Gedankenkonstruktionen, die den strengen Anforderungen formalistischer Logik entsprechen müssen. Aber die Welt des Glaubens und der Seele, die Welt der ,praktischen Vernunft“ umfasst die Wahrheiten des Willens und der Gefühle, die ihre eigene Logik aufweisen. Wie die sadduzäische, so entstanden auch die anderen Irrlehren durch Schlussfolgerungen, die man aus vereinzelten Sätzen des überlieferten Glaubens zog, ohne dessen lebendigen, eigengesetzlichen Organismus zu berücksichtigen. Der Bibel, der Schöpfung göttlicher Offenbarung, kann man nicht lediglich durch eine rein kritische Methode gerecht werden. Man wird sie nur dann in rechter Weise erforschen und begreifen, wenn man sich in die Tiefe ihres Eigenlebens versenkt. Seele kann nur von Seele erfasst werden.