Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 426 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293054--09210-2302494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
426 ,Die Schrift und das Wort״ Hebraist S. D. Luzzatto aus Padua eine ausserordentliche Rolle. Von dem Einfluss, den Rabbi Elijahu Wilna und die litauische Schule auf sein Lernen und seine Anschauung genommen, war schon oben die Rede. Sein Werk sollte die Grundlage eines neuen, gesetzestreuen Unterrichts der Bibel sein. Gerade durch irrige traditionsfeindliche Erklärungen, meinte er, hätte die Jugend vielfach einen falschen Begriff über die Verbindlichkeit des jüdisch-religiösen Lebenswandels erhalten. Die einige Jahre nach der Erscheinung seines Werkes gegründete Orthodox-Israelitische Bibelanstalt benutzte auch für ihre Bibelübersetzung in erster Reihe sein Werk. Damit hat Mecklenburg an der Wiederbelebung der Orthodoxie in Deutschland wenigstens mittelbar einen grossen Anteil. Sein zweites grosses Werk war ein Kommentar zum Gebetbuch. Man fühlt bei dem Studium dieses Werkes das stark pulsierende religiöse. Leben, das weder mit dem mechanischen Handeln des durchschnittlichen frommen Juden des XIX. Jahrhunderts, noch mit der Pseudoreligiösität der Neuerer, die nur bei Orgelklängen ihre religiöse Sehnsucht empfinden können, etwas gemein hat. Er stand mit seinem Streben nach Vertiefung der religiösen Gefühle und Innigkeit des Gebetes natürlich nicht allein. Doch war er der Einzige, der ohne Reform und ohne Benutzung einer europäischen Sprache, also nur für die Altgläubigen, die hebräische Sprache beherrschenden Lamdanim seinen Kommentar schrieb imd damit sich von den beiden Kreisen des deutschen Judentums abhob, wie sie in den Liberalen und modern gebildeten gesetzestreuen Juden gegeben waren. Seine Gegnerschaft zur Assimilation ist ja mit seinem praktischen Einschreiten gegen die Reformbestrebungen genügend gekennzeichnet. Doch war er nicht ein so schroffer Gegner, wie z. B. seine Zeitgenossen in Ungarn. Das beweist nicht nur sein reges Interesse an der Emanzipationsbewegung, sondern auch die Anhänglichkeit an S. D. Luzzatto, der ja ein Typus der Maskilim war. Mecklenburg sah scharf die Krankheitserscheinungen im jüdischen Leben, die Mängel der jüdischen Religiosität. Er sah die Oberflächlichkeit des Betens, und betrachtete diese nicht