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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 366

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 366 (sequence 38)
Language
German
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366 Die Stellung Schopenhauers zum Judentum aufhalten und für Geld die den Machthabern genehmen Lehren vortragen. Besonders ist es der Philosoph Hegel, gegen den seine Wut keine Grenzen kennt und den er mit Ehrentiteln bedenkt wie ״Charlatan״, ,Unsinnschmierer״ ,״Bierphilosoph,״ ״Kaliban״. Diese Beschimpfungen erfolgten übrigens erst nach dem Tode Hegels, was auf den Charakter Schopenhauers auch ein eigentümliches Licht wirft. Ueberhaupt ist jeder Gegner seiner Anschauungen ein ״Lump״, ein ״Schuft״. Die Juden kommen also noch, sehr glimpflich weg, wenn sie nur als ein ״kleines, abgesondertes, eigensinniges, hierarchisch, d. h. durch Wahn beherrschtes, von den gleichzeitigen grossen Völkern des Orients und Okzidents verachtetes Winkelvolk״ bezeichnet werden, das, nachdem es in Aegypten seinen alten, Zutrauensvollen Freunden die dargeliehenen silbernen und goldenen Gefasse gestohlen hatte, seinen Mord- und ßaubzug ins gelobte Land antrat. Mit grossem Behagen wiederholt Sch. auch die abgeschmackten Märchen des Tacitus und Justinus, wonach der Pharao das eingeschlichene, mit schmutzigen und ansteckenden Krankheiten behaftete Judenvolk nicht länger im reinen Aegypten dulden wollte und sie deshalb auf Schiffe bringen und auf die arabische Küste abwerfen liess. Diese Geschichtchen erzählt er gläubig nach und betrachtet sie als die historische Grundläge des Exodus! Wir haben früher bemerkt, dass Schopenhauer als der erste Vertreter des Rassenantisemitismus angesehen werden kann; seim Schimpfwörterlexikon würde ihm berechtigten Anspruch gewähren auch sls der Vater des modernen Radauantisemitismus betrachtet zu werden. Treffend bemerkt Kuno Fischer: ״Der Ruhm, auch der verdiente, lässt sich nicht erschimpfen. Sonst müsste ihn Schopenhauer durch seine drei letzten Werke in Ueberfülle gewonnen haben״. Merkwürdig ist, dass zwei seiner Hauptanhänger Juden waren: der eine, sein ״Erzevangelist״, sein ״Hauptapostel״, wie er ihn nennt, ein getaufter Jude, Julius Frauenstädt, der auch seine Werke herausgegeben hat; der andere, der früher genannte David Ascher, dem jüdischen Glauben treu. Die Verständnislosigkeit Schopenhauers gegenüber dem

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