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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 365

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 365 (sequence 37)
Language
German
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Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 365 gewähre. ״Denn sie sind und bleiben ein fremdes, orientalisches Volk, müssen daher stets nur als ansässige Fremde gelten.* Schopenhauer ist der erste Rassenantisemit, und wenn man ihn auch nicht gerade den Begründer dieser Spielart des Antisemitismus nennen kann, so darf er doch als ihr geistiger Vater gelten. Wenn wir die Beurteilung, die Schopenhauer dem Judentum angedeihen lässt, im ganzen betrachten, so ist es ein Grundfehler, den wir da wahmehmen, ein Fehler, der sein ganzes System überhaupt kennzeichnet: der Mangel an historischem Verständnis. Er jammert über das Unglück, dass das Judentum die Grundlage der heutigen Kultur bildet, dass der Theismus als fixe Idee in den Köpfen hafte und sich überall der Wahrheit entgegenstelle usw. Dass aber dieser Theismus doch nicht etwa infolge irgend eines geschickten Betruges seinen Einfluss erlangt hat, dass er eine geistige Macht sein muss, die man historisch zu begreifen hat, das kommt ihm nicht in den Sinn. Ueberhaupt urteilt er über das Judentum, ohne seine Geschichte, ja, ohne seine wichtigsten Urkunden zu kennen. Dass er kein Wort Hebräisch verstand, ist ihm nicht weiter übelzunehmen; dass er aber eine weltgeschichtliche Erscheinung wie die Propheten nicht kannte, dass er sie nicht einmal in einer Uebersetzung gelesen hatte, das ist bei einem Manne wie Schopenhauer nicht zu entschuldigen. — Dann aber ist auch die rohe Form, in welcher seine Angriffe erfolgen, entschieden zu verurteilen und eines Mannes der Wissenschaft durchaus unwürdig. Seine Hauptangriffspunkte sind die Philosophieprofessoren und die — Juden. Die ersteren, weil sie sich verschworen hätten, sein Werk totzuschweigen und dadurch zu unterdrücken; während sie es in Wirklichkeit nicht erwähnten, weil es ihnen noch unbekannt war. An jene Verschwörung glaubt er steif und* fest. Die Juden aber hasst er, weil ihr Theismus das grösste Hindernis bildet für die Ausbreitung der Wahrheit, worunter natürlich seine Philosophie zu verstehen ist. Und er rächt sich nun an beiden durch die ausgesuchtesten Schimpfereien. Die Philosophie1 Professoren sind es, die das Volk verdummen, die den Fortschritt

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