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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 363

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 363 (sequence 35)
Language
German
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Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 363 es unterlassen ihm. zu helfen? Erleichternd sollst du ihm helfen“ (II. B. M. 23, &). Dass dem Tiere seine rechtmässige Nahrung nicht entzogen werden darf, beweist die Vorschrift: ״Du sollst dem Ochsen das Maul nicht verbinden, wenn er drischt“ (V. B. M. 25,4). Man ist sogar verpflichtet den Haustieren zuerst ihr Futter zu reichen, bevor man selbst seine Mahlzeit hält, was mit dem Schriftwort begründet wird: ״Ich werde deinem Vieh auf dem Felde seine Speise geben, und auch du wirst essen und dich sättigen“ (V. B. M. 11,15). Am Sabbat ist nicht nur dem Menschen die Ruhe geboten, er darf auch sein Tier nicht arbeiten lassen, denn es heisst: ״Du sollst keine Arbeit tun, du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd und dein Vieh“ (II. B. M. 20,10). Hätte Sch. diesen Satz in einer anderen Glaubenslehre gefunden, so hätte er gewiss die rührende Rücksichtnahme auf das Tier betont, hätte vielleicht sogar seine Wesensgleichheit mit dem Menschen daraus gefolgert; im Judentum ignoriert er die ganze Vorschrift überhaupt. Ich stelle dem Urteil Schopenhauers, der sich an Ausfällen gegen die Roheit und Erbärmlichkeit des Judentums nicht genug zu tun weiss, die Worte eines nichtjüdischen Sozialhistorikers, Contzen, entgegen, der-in seinem Buch über die soziale Frage gerade im Hinblick auf diese Tierschutz Vorschriften sagt: ״Es schlingt sich ein tief inniges Band um die zu gemeinschaftlicher Arbeit, zu gemeinschaftlicher Last Verbundenen, und die Lebensgemeinschaft erweitert sich sozusagen zu einer Art Rechtsgemeinschaffc“. Aus dem Optimismus des Judentums, meint Schopenhauer, entspringt auch die Verponung des Selbstmordes. Denn es wäre doch ein schlechtes Kompliment für den, der die Welt als ״sehr gut“ bezeichnet hat, wenn jemand sie so unerträglich fände, dass er sie freiwillig verlässt. Eine biblische Stelle lasse sich dafür überhaupt nicht anführen. Beides ist unrichtig. Aus dem Wesen des Judentums entspringt wohl das Verbot des Selbstmordes, darin hat Sch. Recht; aber nicht aus dem Optimismus, sondern aus dem Begriff der Pflicht. Wir sind von Gott auf unseren Posten gestellt'und dürfen ihn nicht verlassen, bis wir

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