Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 361 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 361 Judentum, sagt er wiederholt, kennt keine Unsterblichkeit und ist darum auch die roheste und schlechteste aller Religionen. Diese Behauptuung ist freilich nicht von ihm zuerst aufgestellt worden, auch andere christliche Theologen und Philosophen sagen dasselbe. Und man möge diese These noch so oft widerlegen, sie wird doch immer wiederholt und schliesslich als ein Axiom betrachtet. Es ist, wie mit Recht bemerkt wird, doch eigentümlich, dass man einerseits zu beweisen sucht, die Juden hätten ihre Gesetze den alten Aegyptem entlehnt, und ihnen andrerseits jede Spur eines Gedankens der Unsterblichkeit abspricht. Jeder König und jeder Held oder Prophet, meint Schopenhauer, wird wenn er stirbt, bei seinen Vätern begraben und damit ist alles aus. Ja, aber gerade, dass jeder zu seines Vätern versammelt wird, auch derjenige, bei dem von einer Bestattung in dem Erbbegräbnis gar keine Rede sein kann, das beweist, dass dieser Ausdruck etwas anderes bedeutet als die blosse Bestattung, dass er auf die Vereinigung im Jenseits hinweist. Schon die Erzählung von der Erschaffung des Mehschen, von dem göttlichen Odem, der ihm eingehaucht wurde, während bei den Tieren hiervon keine Rede ist, deutet auf seinen göttlichen Ursprung und damit auf die Ewigkeit seines Geistes. Aber es sind nicht nur einzelne Andeutungen, die ganze Anschauungsweise und der Gesamtgeist der Thora setzen den Unsterblichkeitsglaubeü unbedingt voraus. — Aus der Lehre, dass der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen ist, fliesst auch das Gebot der Nächstenliebe, das dem Judentum mit ebensoviel Unrecht abgesprochen wird. Es liegt aber in diesen Behauptungen eine bestimmte Tendenz; man will Unsterblichkeit und Nächstenliebe speziell als Lehren des Christentums hinstellen, weil dieses sonst überhaupt nichts Neues von Wert und Bedeutung gebracht hätte. Auch Sch. wiederholt kritiklos jenen Vorwurt. Gerechtigkeit ist der ganze Inhalt des alten Testaments, Menschenliebe des neuen. Den Satz ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst״ zitiert er als einen christlichen. Dass er aus dem Judentum (III. B. M. 19,18) entlehnt ist, dass dieses auch Vorschriften enthält, wie: ״Liebet den Fremden“, ״du sollst dich nicht rächen 3