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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 360 (sequence 32)
Language
German
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360 Die Stellung Schopenhauers zum Judentum Verzweiflung bewahrt. Dieser Gedanke kommt auch in Koheleth zum Ausdruck. Koheleth ist der einzige jüdische Schriftsteller, den Sch. öfters anführt; er nennt ihn den ״genialen״,.den ״zwar noch jüdischen, aber so philosophischen“. Aber in seiner eigentliehen Bedeutung hat er diesen Koheleth doch nicht begriffen, er hat nicht erkannt, dass sich gerade in ihm die Anschauung des Judentums ausspricht. Gewiss sind alle Genüsse eitel; Koheleth streift den ganzen Blütenstaub des Lebens hinweg, nichts hält stand vor seinem kritischen Blick, alles ist הבל ורעות רוח, aber eins bleibt zuletzt doch bestehen: ״Gott fürchte und seine Gebote beobachte, denn das ist der ganze Mensch“. Und darin liegt eben der Gegensatz zwischen Judentum und Pessimismus. Der Pessimismus sagt: Der Leiden der Welt sind viele, ihrer Genüsse sind wenige, darum ist sie schlecht. Das Judentum sagt: Mögen auch der Leiden der Welt noch so viele sein, der Gedanke, dass er eine Aufgabe hat, dass er seine Pflicht hier auf Erden zu erfüllen hat, kann und muss den Menschen aufrechterhalten. Von diesem Hochgefühl der Pflichterfüllung aber weiss Schopenhauer überhaupt nichts. Er negiert sogar ausdrücklich den philosophischen Begriff der Pflicht, den Kant gebraucht, und sagt, dass er seinen Ursprung im mosaischen Dekalog habe, also jüdisch sei. Das Einzige, was Sch. an dem Alten Testament bewundernswert findet, ist die Erzählung von dem Sündenfall, aus welcher das Christentum die Lehre von der Erbsünde hergeleitet hat; denn er meint, dass in der Tat das ganze Dasein der Menschheit als die Folge eines Fehltritts und eines strafbaren Gelüstens erscheint. In Wahrheit hat der Sündenfall nur die Bedeutung, dass dadurch dem Mensehen die Erkenntnis des Guten und Bösen aufging, dass der Trieb zum Bösen in ihn kam, doch nicht etwa so, dass nunmehr jeder Mensch mit der Erbsünde belastet geboren werde: die Seele des Menschen tritt vielmehr rein und unbefleckt aus höheren Sphären in dieses Erdenleben ein. Schopenhauer will es aber überhaupt nicht gelten lassen, dass nach der Anschauung des Judentums die Seele eine Existenz ausserhalb dieser Welt gehabt habe oder haben werde. Das

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