Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 358 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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-358 Die Stellung Schopenhauers zum Judentum dass die Welt voll von Leiden sei, dass man ihren Genüssen entsageD, sie verneinen müsse. Die Verbindung zwischen dem : A. und N. Testament ist deshalb auch eine rein äusserlicbe, ihrem Wesen nach sind sie verschieden; denn jenes ist Optimismus, dieses Pessimismus. — Um die Gegnerschaft Schopenhauers mit seinem Pessimismus gegen den jüdischen Optimismus in ihrem Grunde richtig zu erfassen, müssen wir uns d^Be- •deutung dieses Pessimismus zuvorderst klar machen. Es gibt zweierlei Arten von Pessimismus: den genussüchtigen und den religiös-moralischen. Schopenhauers Lehre enthält beide, obwohl -sie eigentlich nichts miteinander gemein haben. Der religiösmoralische Pessimismus will durch die Tiefe der Welterkenntnis :zur Weltentsagung und Willensverneinung, zur Askese führen. Das Judentum ist zwar seinem Wesen nach auch diesem Pessimismus nicht zugetan, aber es widerspricht ihm nicht geradezu. Dass die Genüsse der Welt eitel sind und keine Befriedigung gewähren, dass sie viele Leiden in sich birgt, spricht auch Koheleth aus; dass, die Menschheit eine sündige ist, dass die "Tugend selten und das Laster häufig ist, ist eine Wahrheit, der sich niemand verschliessen kann. Also Ansätze zu einem solchen Pessimismus sind auch im Judentum vorhanden, auch Aussprüche des Talmud weisen darauf hin, und es hat in der Tat solche Bichtungen im Judentum gegeben, wenn sie auch, wie schon bemerkt, mit seinem eigentlichen Wesen nicht übereinstimmen. Die unversöhnliche Gegnerschaft Schopenhauers gegen das Judentum aber hat ihre Wurzel in dem genussüchtigen Pessimismus. ״Genussgier und Pessimismus, sagt ein bekannter Literarhistoriker, gehören zusammen wie die Krankheit und das •Symptom.“ Wenn man von dem Grundsatz ausgeht, dass das Glück des Menschen von den positiven, den fühlbaren Genüssen bedingt ist, die ihm das Dasein bietet, und wenn man an diesem Masstab das Leben misst, dann muss man zum Pessimismus gelangen, dann muss man sagen, dass in der Tat die Leiden der Welt ihre Freuden bei weitem übersteigen. Aus einer ■solchen Vergleichung der Leiden und Freuden des Lebens hart nun auch Sch. den Schluss gezogen, dass die Gefühle: der Un- •i.'/.ii