Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 357 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 357 80 sagen wir, es sei in das Nichts verloren gegangen. Ein umgekehrter Standpunkt, wenn er für uns möglich wäre, würde das für uns Seiende als das Nichts und jenes Nichts als das Seiende zeigen. Dieser Gedanke Schopenhauers stimmt mit der Anschauung der Kabbalisten überein, die ebenfalls die Welt nur als aus dem relativen Nichts hervorgegangen bezeichnen, in Wirßichkeit aber als aus dem אור אץ סוף, aus dem Urlicht gleichsam durch eine Einschränkung (צמצום) des alles erfüllenden Gottesgeistes entstanden darstellen. Damit fallen alle jene Einwände weg. Mit der Behauptung des Monotheismus von der Hervorbringung der Welt durch ein allmächtiges, allweises und allgütiges Wesen hängt es zusammen, dass diese Welt auch eine gute sein muss, und dies ist auch in der Bibel am Schlüsse des Schöpfungswerkes mit den Worten ausgesprochen: והנה טוב ״ מאדGott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut״. Ueber dieses טוב מאד oder, wie es in der griechischen Uebersetzung der Septuaginta lautet, ׳navia xaXa Xtav, m. a. W. über den jüdischen Optimismus ergiesst nun Sch. die ganze Schale seines Zornes. Es muss übrigens gleich bemerkt werden, dass der Optimismus des Judentums kein absoluter ist in dem Sinne, dass diese Welt die beste aller überhaupt möglichen Welten sei. Wir können nicht sagen, dass Gott nicht etwa eine noch bessere Welt hätte erschaffen können. Aber für den Zweck, um dessentwillen er sie ins Dasein rief, war sie die beste, die zweckentsprechendste. Gott sah alles, was er gemacht hatte, im Ganzen und in seinen Teilen, und alles war sehr gut, alles stimmte harmonisch zusammen und erfüllte den Willen des göttlichen Bildners. Schopenhauer aber bezeichnet den Optimismus nicht nur als absurd, sondern auch als ruchlos und niederträchtig, als einen bitteren Hohn auf die namenlosen Leiden der Menschheit. Da3 Uebel und die Sünde in ihrer furchtbaren Grösse sind aus der Welt nicht wegzuleugnen, und da sollte diese Welt das Werk eines Gottes sein? — Das Christentum, sagt er, ist seinem innersten Wesen nach pessimistisch, denn es hat indisches Blut in sich. Es lehrt,