Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 355

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 355 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293054--09139-2302423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 355^ Spuren eines Gottesglaubens findet׳, schreibt er sie dem jüdischen Einflüsse zu. Die Anwandlungen von Theismus, denen wir bei Plato begegnen, sind ihm jüdischen Ursprungs, und eine Bestätigung dieser Ansicht findet er in einer Erzählung des Plutarch, wonach Plato der Natur gedankt habe, dass er ein Mensch und kein Tier, ein Mann und kein Weib, ein Grieche und kein Barbar geworden sei. Die Juden aber verrichten ebenfalls ein Morgengebet, worin sie Gott danken und loben, dass der Dankende ein Jude und kein Heide, ein Freier und kein Sklave, ein Mann und kein Weib geworden sei. Das Christentum, das Sch. überall verteidigt, hat indische Elemente in sich, uod es sucht darum fortwährend vom Judentum loszukommen, was sich z. B. auch in der Lehre von der Dreieinigkeit kundgibt. Schopenhauer erkennt, dass dieser jüdische Theismus das stärkste Hindernis gegen die Verbreitung seiner Anschauungen bildet, und er wird darum nicht müde ihn mit wütendem Eifer zu bekämpfen. ״Es ist als ein grosses, Unglück anzusehen, sagt er, dass das Volk, dessen gewesene׳ Kultur der unsrigen hauptsächlich zur Unterlage dienen sollte, nicht etwa die Inder oder die Griechen oder auch nur die Römer waren, sondern gerade diese Juden“. Die Erkenntnis Gottes״ als des persönlichen Regierers und Schöpfers der Welt findet sich allein in der jüdischen und den beiden aus ihr hervorgegangenen Glaubenslehren, nicht aber in der Religion irgend eines anderen Volkes, alter oder neuer Zeit. Selbst die Philosophie verdirbt der ״jeder Prüfung unzugängliche, jeder Untersuchung abgestorbene, mithin wirklich als eine fixe Idee auftretende“ jüdische Theismus, der bei jedem Schritt sich der Wahrheit entgegenstellt. Selbst der Pantheismus des Spinoza ist beeinflusst von seiner jüdischen Grundansicht. Trotz dieser Einzigkeit, dis Sch. dem jüdischen Theismus zuspricht, scheut er sich nicht, die Behauptung aufzustellen oder vielmehr nachzusprechen, dass das Judentum aus der Zendreligion entstanden sei. Den Dualismus dieser Religion glaubt er im Judentum wiederzufinden und stellt dem Ahriman-Ormuzd des Parsismus Gott und den Satan gegenüber. Aber er hofft mit Bestimmtheit, man werde einmal einsehen, dass Philosophie etwas anderes sei als Judenmythologie.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.