Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 351 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mmmSi Die Stellung Schopenhauers zum Judentum 351 zuheben (Ran, Ritba u. a). Aber grundsätzlich ist die Grenze des Minhag allgemein anerkannt. § 41. Man kann zusammenfassend sagen: nur solange der Minhag das religiöse Leben, wie es Tora und Talmud fördern und begründen, fördert und hebt, hat er verpflichtende, obsiegende Kraft. Wo er aber in Einseitigkeit oder in Verkennung der entscheidenden Momente des Pflichtenlebens der Tora dem religiösen Leben Abbruch tun könnte, da wird er zur Gefahr, da trifft ihn, wie die Fischer von Tiberias, der Fluch Rabbi Ammis. Wo findet jede Gegenwart einen Rabbi Ammi, um gegen den Missbrauch des Minhag das Gesetz der Tora zur Anerkennung zu bringen? Wo jede Gegenwart einen Meister wie den R’mo, den echten Minhag zu Ehren zu bringen, unid aus ihm die toraerfüllte Prophetenseele Israels zu erkennen? * Die Stellung Schopenhauers zum Judentum. Von Rabb. Dr. Isak Unna, Mannheim. Man mag über den Einsiedler von Frankfurt denken, wie man will: das ist gewiss, dass er einer der interessantesten Menschen ist, die je gelebt haben. Seine Persönlichkeit ist nichts weniger als sympathisch: das Zerwürfnis mit seiner Mutter, die er während der letzten vierundzwanzig Jahre ihres Lebens nicht mehr gesehen hat, sein Misstrauen und sein Argwohn gegen alle Menschen, sein Jähzorn und seine Masslosigkeit lassen seinen Charakter in einem sehr ungünstigem Lichte erscheinen. Die höhere Moral, die er auf den Trümmern der jüdisch-christlichen Ethik aufbauen wollte, hat er in seinem Leben jedenfalls nicht verwirklicht. Aber die geniale Art der Betrachtung, die künstlerische Form der Darstellung, die Fähigkeit auch die tiefsten Gedanken klar und plastisch auszudrücken, machen die Lektüre seiner Werke zu einem hohen ästhetischen Genuss. Und so verfehlt auch die Grundlage seines Systems, so einseitig auch sein Urteil in vielen Dingen sein mag, man findet bei ihm doch