Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 350 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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850 Wesen und Wertung des Minhag in Israel auch aussertalmudischen Schrifttum und in den Meinungen aller Dezisoren, auch der eines alleinstehenden, zu sichern. Der ganze Strom der; lebendigen Tradition speist den Minhag, und dieser Strom darf nicht eingedämmt werden, denn gerade, dass die selbst getrennt vom Hauptstrom fliessende Ueberlieferung Praxis geworden, beweist ihre Echtheit, dass es Worte des lebendigen Gottes sind. Wenn aber der R’mo den Minhag, weil er zuverlässigen Ursprungs ist, selbst dort gelten lassen will, wo er an einen Issur grenzt, so ist diese Meinung nicht anerkannt worden: ״wir hören darin nicht auf ihn, denn der Pri Chodosch hat ihn durch klare Beweise längst widerlegt״ (Chassam Sofer, gebracht im Mischna Berura z. St.) und so will auch der Pri Megodim Uebertreibungen des Purimminhag nicht gutheissen, denn ihr Nutzen wird durch ihren Schaden wettgemacht, weil sie verwirren und stören. § 40. Der Minhag bedarf also der Kontrolle, der Rechtfertigung, oder sonst der Rektifikation. Damit greifen wir auch unsre Betrachtungen im Eingang zurück: der Minhag steht nicht höher als die Prophetie selbst. Warum kann nur ein vollkommener Weiser, dessen logische Fähigkeit zur Höchstgrenze gediehen ist, Prophet sein? Weil nur er die ihm gewordene intuitive Schau der Kontrolle der Weisheit, der Toraweisheit unterwerfen kann (Rambam More II 38). Der Weise hat die Führung über den Propheten חכם עדיף מנפיא. So muss auch das Echo der Prophetie im Minhag seine Be- Währung und Beglaubigung vor dem Richterstuhl der halachischen Weisheit finden. Nur darin unterscheiden sich unsre Lehrer, wie weit im Einzelfalle das Verdikt der Halacha sofort zur Ausführung kommen soll. Oft ist die kritiklose unwissende Menge nicht fähig, zu verstehen, welche Gründe die Aufhebung eines Minhag berechtigt oder notwendig erscheinen lassen. Wegen der falschen Schlüsse, die כותאי oder פרוצים und gesetzlose Unwissende ziehen könnten, will im Gegensatz zu Tossaphot und Rosch (zu Pess. 50 b) eine grosse Zahl der Posskim es nicht für angängig halten, selbst einen מנהג טעות ohne weiteres auf-