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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 349

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 349 (sequence 21)
Language
German
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Wesen und Wertung des Minhag in Israel 349 § 38. Bei den mancherlei wunderlich scheinenden Bräuchen des Purimfestes (Orach Chajim 690 17) schreibt der R’mo: man soll keinen Minhag aufheben oder über ihn spotten, denn nicht grundlos sind sie eingesetzt worden. Obwohl diese Formulierung auf den ersten Blick allgemein gültiges Gesetz zu sein scheint, so zeigt doch die Stelle in Hilchoth Megilla, dass sie sich nur auf das Purimfest bezieht mit seiner einzigartigen, fast phantastischen Freudenstimmung und ihrer symbolreichen Auswirkung. Das beweist ferner schlagend die dort angeführte Stelle aus dem Beth״Josef, die nur und lediglich von Purimsitten redet. Der Mögen Awrohom (und ihm folgend Baer Hetew) benutzen allerdings diese Bemerkung zu einem allgemeinen Exkurs über Minhagim und sagen: der R’mo, der grosse Verteidiger und Kodifikator der Minhagim, der durch dieses liebevolle Studium der Väterbräuche unser ganzes religiöses Leben aufs stärkste beeinflusst und mit edlen Formen umrankt hat, schreibe: wo ein Minhag auf einen der Dezisoren zurückgehe, solle man ihn nicht autheben, selbst unter erschwerten Lebensumständen, selbst wenn man in ihm einen צד אסור finde, soll man ihn nicht aufheben, auch wenn er sogar nur örtlicher Minhag ist; aber dort wo sieh die Verhältnisse anders gestaltet haben als in den Zeiten der Früheren, ist man berechtigt, den Minhag d e n Z e i t u m s t än d e n g e - mäss abzuändern. Und wenn wir sagen, ein Minhag hebe die Halacha auf, 80 gilt das für den Fall, wo eine Majorität und die talmudische Entscheidung zwar gegen den Minhag ist, diese aber auf die Pesikta und andre Quellen zweiten Ranges (ספרים חצרנים wie Midraschim etc.) sich baut, denn dort haben gewiss unsre Väter, einer vom andren, so die Ueberlieferung gehabt. Das gilt aber nur für einen Minhag, der auf die ותיקין, auf die Grossen des Altertums sicht gründet, aber ein solcher, der keinen Beleg in der Tora hat, der ist nur als eine falsche Argumentation zu betrachten אינו אלא כטועה בשקול הדעת. § 39. Das Ziel, das hier unser Meister, der Raw (dem Mahari Kolon folgend), vor allem im Auge hat, das ist: die breite Grundlage des Minhag im gesamten

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