Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 345

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 345 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293050-2293054--09129-2302413
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wesen und Wertung des Minhag in Israel 345 Zeichen Gehirn! om, das ist ein törichter Minhag!״ (Belege siehe im שדה חמד unter כלל מנהג). Nur vor den echten Minhag, nicht vor seine Kehrseite stellt sich schützend der Weise; nicht vor das, was nur die Maske des Minhag trägt und den Unverstand mit scheinheiligem Gewände umkleidet. Nicht das gewohnheitsmässige Tun als solches, sondern das einmal Herkommen gewordene Gute soll nicht wieder preisgegeben werden*). § 31. Die Achtung vor dem edlen, oder wenigstens berechtigten Brauche ist an sich schon ein Gebot der Höflichkeit der Ehrfurcht vor den Menschen, die in diesem Brauche einen Ausdruck ihres Wesens und Seins bekunden, des Willens zur Gemeinschaft und zu einheitlicher LebensgestaltuDg. אל ישבה מפני המחלקת man tue nicht anders wie alle, um den Streit zu vermeiden, denn gross ist der Friede. Kommst du in eine Stadt, verhalte dich nach ihrer Sitte. Niemals weiche vom Brauche des Ortes ab. Mosche stieg in die Höhe und ass kein Brot, wie ein Himmlischer; die Engel kehrten bei Abraham ein und assen, wie die Irdischen (Baba Mezia 86 a und b). Besonders gilt dies von dem religiösen Brauch, den jeder in frommer Gesinnung übt und dessen Verletzung seine Gefühle beleidigt. Selbst bei vorübergebendem Aufenthalt darf man nicht durch Nichteinhaltung der örtlichen Minhagim die Empfindüngen der Andren herausfordern. Nur dem Gast aus Palästina, dem Lande der Tora, billigt jeder das Vorrecht zu, überall *) Es liegt eine köstliche Ironie in der folgenden Erzählung, die diesen Minhagkult ins rechte Licht setzt. Ein Raw sieht, wie seine Gemeinde eifrig jeden im Minhagbuch verzeichneten Brauch beachtet, über die eigentlichen Gesetze sich aber leichter Hand hinwegsetzt. Da bittet er seine Gemeinde ihm das Minhagbuch zu übergeben und schreibt einige neue ״Minhagim״ hinein: ״Denke des Sabbat9, ihn zu heiligen,״ ״Du sollst in der Tora lernen bei Tag und bei Nacht“ und ähnliches mehr. Als man ihn verwundert darüber befragt, sagt er: ״ich sehe, dass euch der Minhag über alles gilt, da dachte ich, wenn ihr die Gesetze al3 Gesetze nicht beachtet, werdet ihr sie als Minhagim eher hüten“. So schreibt der Maharschal: ״Was soll ich tun, die Menschen legen auf Geringfügigkeiten mehr Gewicht, als auf die wichtigsten Satzungen“. (Tschuwa 72) Yergl Steif: Kampf gegen den Minhag Ost und West J90S, Heft 7. 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.