Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 336 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Wesen und Wertung des Minhag in Israel nicht gering achten. Ausserdem ist ersichtlich, dass die Tendenz und der Sinn des Minhag von entscheidender Wichtigkeit ist, dass derselbe Minhag aus einer Absicht geübt berechtigt, aus anderer Absicht wertlos ist. § 17. Die hohe Dignität des echten Minhag spricht sich darin aus, dass materielle Gründe ihn nicht erschüttern können. Babli erzählt: (Pes. 50b) ״Die Leute von Beischan hatten den Minhag, am Erew Schabbos nicht von Tyrus nach Sidon zu fahren. Ihre Kinder kamen vor Rabbi Jochanan und sagten: unsere Väter konnten den Minhag durchführen (sie waren reich, Raschi), wir aber können den Markttag nicht entbehren. Da sagte er zu ihnen: es haben aber nun einmal eure Väter es auf sich genommen״. Jeruschalmi 1. c. fügt ein Parallelbeispiel an: Schittimholz wuchs in Migdal Zwaja. Da kam vor Rabbi Chanina die Vertretung der Schüler: dürfen wir sie zu Profanzwecken verwenden? Da sagte er: ״Der Toten Brauch sollt ihr nicht ändern־!״ Denn wie Korban Haeda bemerkt: ihre Seelen gehn noch um auf Erden, die Frommen haben nimmer Ruhe, nicht hinieden und nicht im Jenseits״. Die edlen Motive, die die Väter geleitet haben, sind pietätheischendes, lebendiges religiöses Gut, *so dass man das Herkommen nicht aufheben dürfe nur weil seine Beachtung aus wirtschaftlichen Gründen erschwert war. Eine materielle Schädigung wiegt dabei nicht leicht auf der Wage des Gesetzes התורה חסה על ממונן של ישראל. Nur der deutliche Wille des Gesetzes gibt uns das Recht, die Verantwortung für einen ökonomischen Schaden gewissermassen auf die Tora abzuwälzen. Der echte Minhag gilt mithin auch als gesetzlich genügend fundiert, dass er selbst einen הפסד מרובה, einen grossen Schaden verantworten kann. § 18. So hoch aber die Wertung des Minhag Jisroel stehen mag, so viel Ehrfurcht und Schonung er als solcher beanspruchen darf, so ist dennoch unzweifelhaft, dass er, das Kind der Prophetie, dort seine Schranke findet, wo für das Prophetentum selbst die Kompetenz aufhört. Auch die Prophetie darf nie einem klaren Torabefehl und seiner authen-