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Jeschurun · 1927-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1927) · p. Seite 332

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1927)
Date
1927-07-01
Page
Seite 332 (sequence 4)
Language
German
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332 Wesen und Wertung׳ des Minhag in Israel Beschlussfassungen der Weisen stets gegenwärtige Gottesgeist, die Unmittelbarkeit der in ihnen sich manifestierenden Schechina, des עניין אלוקי uns verloren gegangen sein, so ist die dem Segullavolk eingeborene Begabung als solche nicht erstorben und wird fort und fort im Minhag sichtbar. Je älter dieser ist, je näher er noch zeitlich der echten Prophetie, der klassischen Epoche des Ruach Hakodesch steht, um so bedeutsamer ist er, um so gewisser hat er uns als Echo und Nachhall göttlichen Wollens zu gelten. § 8. Ein typisches Beispiel: Beim Chalizaakt soll die verschmähte Brudersgattin dem Schwager den Schuh ausziehen. וחלצה נעלו מעל רגלו. Es ist nicht durch die Tradition und die ihr eigentümlichen Deutungsregeln festzustellen, ob Naal eine Sandale oder einen Vollschuh meint. Diese Frage zu beant- Worten, bedarf es also einer direkten prophetischen Mitteilung. Der Minhag aber hat für die Sandale entschieden. Daraufhin sagt der Talmud im Namen von Raw: ״Käme Elijaku und sagte: die Chalizah hat mit dem Vollschuh za geschehen, so würden wir ihm folgen; sagte er jedoch, sie darf mit der Sandale nicht geschehen, 80 hörte man nicht auf ihn, denn das Volk hat bereits im Minhag die Sandale festgelegt״. Dieser Volksentscheid ist also einer prophetischen Anweisung gleichwertig. Nach einer zweiten nicht rezipierten Version kann Elijahu den Brauch überhaupt nicht mehr antasten. ״Käme Elijahu und sagte, man soll die Chalizah mit dem Vollschuh vornehmen, so hörte man nicht auf ihn“, die im Minhag sich kundgebende Volksprophetie sei stärker als Elijahus Wort (Jebamoth 102 a). § 9. So kommt dem Minhag eine ähnliche Bedeutung für Zweifelsfälle zu, wie einer halachisch bindenden Entscheidung der Synhedrialbehörden. כל הלכה שהיא רופפת בבית דין ואין אתה יודע מה טיבה צא וראה היאך הצבור נוהג ונהוג (Jer. Jeb. VII, 2, Pea VII, 5). ״Ist dir eine Halacha ungewiss und schwankend, geh hinaus [aus dem Lehrhaus, das die Möglichkeit einer Entscheidung nicht bietet] und sieh, wie das Volk draussen tut und tue desgleichen״! Die Volksgesamtheit, der consensus omnium ist Gottes8timme und trifft das Richtige. Denn Israel und die Tora

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