Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 327 (sequence 121)
- Language
- German
- Belongs to
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Bücherbespreehungen 327 dass die Juden Italiens ähnlich Italiener gewesen wären, wie er von den französischen Jaden annahm, dass sie Gallier mosaischen Glaubens wären. Da s dies irrig ist, ist an anderer Stelle gezeigt worden. Es ist wie gesagt richtig, dass die Juden nirgends mehr Propaganda für ihren Glauben gemacht haben, als im kaiserlichen Rom und überhaupt in Italien. Aber der Kern der dort ansässigen Judenbevölkerung waren Juden und nicht etwa bekehrte Lateiner und Sabeller. Natürlich sprachen sie Latein, und Blondheim weist erhebliche Spuren ihres Vulgär-Lateins nach. Vor allem macht er es wahrscheinlich, dass es vor der lateinischen Bibelübersetzung der Kirche eine jüdische Uebersetzung der Bibel gegeben bat. die fr ilich eine ähnliche Rolle wie die Alexandrina nicht spielte. Dafür fehlte der Hintergrund^ Die jüdischen Katakomben geben ein immer stärkeres Bild von den Juden in Rom, aber niemals etwas, was an die Bedeutung der griechich sprechenden Jaden in Alexanareia heranreicht. Dabei gingen nach Westen zu die Juden immer mekr und mehr vom Aramäischen und erst recht vom Griechischen zur lateinischen Familiensprache über. Ein interessantes Bild bietet nach dieser Richtung der Friedhof von Voiabilis. Die jüdischen Inschriften in lateinischer Sprache haben manches Gemeinsame mit der Yetus Latina, und nach den überaus vorsichtigen Vergleichungen Blondheims ist es wenigstens nicht ausgeschlossen, dass die alte lateinische Bibelübersetzung in ähnlicher Weise ein Werk abendländischer Juden gewesen ist, wie diנ Septuaginta ein solches der griechisch redenden Juden in Un er-Aegypten war. Den Spuren jüdischen Vulgärlateins in dem vorliegenden Werke■ na• h* gegangen zu sein, ist eines der Verdienste, da3 Blondheim für sich in Anspruch nehmen darf. Die jüdisch romanischen Mundarten, die heute hauptsächlich im Orient wurzeln, sind nicht einheitlichen Ursprungs. Sie weisen Züge verschiedener Herkunft auf, wenn auch das Kastilische vorwiegt, zeigen Linien, die einander kreuzen, und lassen noch erkennen, dass die Ueberlieferung aus der Zeit des römischen Judentums nie ganz erloschen ist. Baben doch die Juden von Portugal, Kastilien, Katalonien, Navarra und Südfrankreich wenigstens anderthalb Jahrtausende an der lateinischen Sprache und dem Werden und Wachsen ihrer Abkömmlinge teilgenommen. Infolgedessen sind die jüdisch*romanischen Mundarten von nicht geringerem geschichtlichen Werte für die romanische Sprachforschung als das Jüdisch-Deutsche und das Jiddische für die ältere deutsche Sprache. Die Juden hatten in ihrer portugiesisch' n, spanischen (kastilischen), katalanischen , prov. r galischen , französischen und italienischen Sprache ihre sprachlichen Eigenheiten, und alle diese Idiome haben in ihren orientalisch* spagnolischen Mundarten Spuren hinterlassen. Sie klingen irgendwie in ihnen wieder. Und nicht ohne Grund nannten sie ihre Sprache deshalb ״Ladino“. Es gibt verschiedene Zweige, die nicht ohne weiteres einfach ah jüdisch■ spanische Dialekte anzusprechen