Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 322 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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232 ״Die Schrift und das Wort“ wissenschaftliche Bildung des Wilnaer Gaons, den er den Neuerern als Vorbild hinstellt. Die von seinem Freunde Zwi Kalischer propagierte Koloni־־ 8ation8arbeit findet die erste organisatorische Stütze in dem ״Palästina-Kolonisations-Verein“ zu Frankfurt a. Main, und M. schloss sich sofort an. Das im Jahre 1862 erschienene für die Zionsbestrebungen grundlegende Werk Kalisehers empfahl er in seiner Approbation ohne Einschränkung. Mit dem Kantor Weinrauch zusammen betreibt er die Gründung eines Waisenhauses in Palästina und gründete den ״Verein der Waisen“. In den letzten Jahrzehnten leidet er stark unter der allmählichen Schwächung seines Sehvermögens und in der Mitte der 50 er Jahre konnte er seine schriftlichen Arbeiten nicht mehr selbst erledigen. Seine dritte Frau (Julie geb. Caspari, starb am 8. 8. 1871) erleichterte ihm die schwergewordene Arbeit während dieser Zeit. In den letzten Jahren nahm er noch an der Schaffung der neuen Begräbnisordnung teil, die gelegentlich der Uebernahme des Friedhofes der Chewra Kadischa durch die Gemeinde fällig geworden. Mit Schmerzen musste er in den letzten Jahren seines Lebens das Aufflammen der alten Leidenschaften sehen. Nach dem Ableben des Predigers Prof. Saalschütz (23. 8. 186:3) suchte Dr. H. Jolowitz die Reformbestrebungen bei den ״grosstädtischen“ Gemeindemitgliedern neu zu beleben und gründete im Jahre 1861 einen privaten Gottesdienst während der hohen Feiertage mit deutscher Seelenfeier und Harmonium. Den Chor der musikalischen Akademie und das deutschsprachige Gebetbuch erlebte der im hohen Alter stehende Raw nicht, er starb am 10. Nissan 5625 (6. April 1865). Seine Witwe blieb mit fünf Töchtern und zwei Söhnen zurück. Seine jüngste Tochter stand kurz vor der Hochzeit. Die Trauung wurde bi3 nach den dreissig Trauertagen aufgeschoben. Die Beerdigung fand am 9. April statt unter grosser Anteilnahme der Gemeinde und Stadt. Der Nachruf der Gemeinde lautete: ״Er war ein allgemein geachteter, redlicher und pflichttreuer Beamter. Von tiefer Religiosität durchdrungen, hat er während seiner 30 jährigen Amtsführung stets die Ueberzeugung