Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 319 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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״Die Schrift und das Wort“ 819 Johann Jacoby, der Königsberger Vorkämpfer der Emanzipation und deutscher Demokratie, abends oft stundenlang bei ihm und besprach mit M. die aktuellen politischen Fragen. R. Mecklenburgs Einfluss ist es zu danken, dass Jacoby in den Fragen der Religionsreform einen gemässigten Standpunkt einnahm und so viel Unheil in den späteren Gemeindekämpfen verhütet wurde. M. war aber auch in christlichen Kreisen sehr beliebt; so verkehrte in seinem Hause ein christlicher Oberst der Kavallerie, der bei ihm Belehrung in der Erklärung der Bibel und anderen füdischen Fächern fand. Er suchte ihn aber sehr oft auch ausserhalb der Unterrichtsstunden auf, sodass man fast von einem Freundschaftsverhältnis sprechen kann. Inswischen schreitet die Reformbewegung in Deutschland fort und im Jahre 1844 fand in Braunschweig die bekannte reformistische Rabbiner-Versammlung statt. Den sehr energischen Protesten der damaligen führenden gesetzestreuen Rabbiner der Welt hatte sich auch M. angeschlossen in einer Erklärung als Oberrabbiner [Ab-beth־driD] der Gemeinde Königsberg. Zwei Jahre später bricht der Streit um die Reform auch in seiner Gemeinde selbst in hellen Flammen aus. Die Liberalen wollen radikale Formen, die M. natürlich ablehnt. Infolge der Durch- Setzung einzelner Reformen ziehen sich immer mehr Mitglieder von der Hauptsynagoge zurück und gehen in die sogenannte polnische Synagoge, die ursprünglich nur für durchreisende polnische Juden bestimmt war. Die ersten Spuren dieser Synagoge, die den Gemeindeführern Sorgen bereitet, liegt in der Zeit der ersten Neuerungen nach der Berufung des Predigers Francolm in den 20er Jahren. (Im Gasthaus ״Der Palmbaum״.) Der ״Orient“, Organ der Breslauer gemässigten Richtung, betont die ehrliche und selbstlose Ueberzeugungstreue des Königsberger Raws, der, trotzdem er sich mit allen Wohlhabenden der Gemeinde verfeindete, den Kampf gegen die Reformen nur mit Hilfe der wenigen und armen gesetzestreuen Mitglieder seiner Gemeinde aufnimmt. Das gelingt ihm auch mit Unterstützung seines Freundes Johann Jacoby und anderer Gemässigten.