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Jeschurun · 1927-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1927) · p. Seite 316

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
Seite 316 (sequence 110)
Language
German
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316 ״Die Schrift und das Wort״ damit Führer einer Gemeinde, in der sich schon sehr früh reformistische Tendenzen zu regen begannen, Die deutsche Kanzelpredigt war schon vor einigen Jahrzehnten eingeführt worden. So hielt z. B. sein interimistischer Vorgänger, der Vizerabbiner Dr. L. J. Saalschütz, regelmässig deutsche Predigten. Selbst der vorletzte Königsberger Rabbiner J. B. Herzfeld hielt schon bei besonderen Anlässen deutsche Reden und empfahl eine moderne Umgestaltung der Elementarschule. Am Anfang der zwanziger Jahre amtierte in der Gemeinde der Reformer Dr. Francolm (Cohn) als Prediger und Religionslehrer. Der Versuch Francolms, die Konfirmation der Jugend beider Geschlechter in Königsberg einzuführen, scheiterte am Widerstande der konservativen Gemeindemitglieder, auf deren Betreiben die preussische Behörde die Konfirmation verbot. Die Saat der Reformbestrebungen ging unter dem Einfluss der Assimilanten schnell auf, und M. war bemüht, sich» die geistigen Hilfsmittel zum Kampfe gegen die Assimilation zu schaffen. In erster Reihe galt es, die Irrtümer im Religionsunterricht und in der Bibelübersetzung gutzumachen. Ihm schien die Hauptstütze der Neuerer, mit ihrer traditionsfeindlichen Einstellung, in erster Reihe im scheinbaren Gegensatz zwischen der biblichen Schrift und mündlicher Ueberlieferung zu liegen. In seinen sprachlichen Forschungen sammelte er schon lange Zeit geeignetes Material für einen Kommentar zum Pentateuch. Mit einem grenzenlosen Fleiss sammelte er die in Betracht kommenden Forschungsergebnisse älterer und jüngerer Gelehrten. Alles benutzt er, was ihm für wissenschaftlich wertvoll genug erschien. Oft arbeitete er bis in die Morgenstunden hinein und seiner mit tiefer Religiosität gepaarten beispiellosen Bescheidenheit erschien es selbstverständlich, seine Abendruhe und sein Augenlicht zu opfern, um in seinem Werk keine Bemerkung ohne Angabe des Verfassers anzuführen. Unterdess wurde der Pädagoge Dr. Josef Lewin Saalschütz, der nachmalige Professor der hebräischen und ägyptischen Archäologie, als Religionslehrer nach Königsberg berufen. Die durch Saalschütz reaktivieren Reformbestrebungen fanden, soweit sie einem echten religiösen Gefühl entsprangen

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