Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 308 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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308 Weitere Beiträge usw. ״polnischen“ Cholem? Es ist möglich, dass die Völker des oströmischen Kulturkreises eia ä als ״reinen“ Laut nach unseren Begriffen garnicht wahrzunehmen imstande waren. Der labiale Hauchvokal war eben für sie immer, selbst bei Hinneigung zu konsonantischer Natur, das ü. Nun hört man, nach Vossler, als erstmaliger Beobachter norditalienischer Mundarten, in ihnen ein jedes lange ö zunächst scheinbar diphtongiert oou und entdeckt erst später, dass es sich um eine Stimmsenkung bei cantilierendem Sprechen gehandelt hat. In Wirklichkeit beruht diese Wahrnehmung auf dem Fehlen des Vorbegriffs für einen solchen Klang. Was also dem Westaschkenasi als buntester Diphtong erscheint, muss dem ihn sprechenden Ostaschk. garnicht als ein solcher bewusst sein. Man darf doch nie vergessen, dass das Deutsche zu den ganz wenigen Sprachen gehört, welche die ״langen, geschlossenen“ homogenen Laute 0 und ö besitzen. Für viele andere Völker ist es selbstverständlich, dass diese Laute offen (ä oder ä) oder diphthongisch (au, ai) klingen. Selbstverständlich ist es nach dieser ganzen Theorie, dass die stammbetonende (aschkenasische) Aussprache sich nicht irgendwann aus der grammatisch betonenden ״entwickelt“ haben kann. Aber ebenso klar ist es, dass Diphtonge nicht plötzlich oder allmählich aus homogenen langen Vokalen ״entstehen“. Solche Unterschiede sind vielmehr von Urbeginn in jeder Sprache vorhanden, und die diphtongische oder homogene Aussprache eines vollbetonten Vokals richtet sich nach der ganzen seelischen Haltung des Sprechenden, vor allem aber des Hörenden. B. Geschichtliches. Eine einzige äussere Tatsache darf hier in die Betrachtung gezogen werden, und das ist die, dass bei den Aschkenasim schon in den ersten Jahrhunderten des Galuth die hebräische und die aramäische Sprache aus dem lebenden Volksgebrauche schwanden. Schon aus dem sprachlichen Zustande der Midraschim ist dies zu ersehen. Man schrieb אוותנטיא für ao&evtta. Wir sehen ת für also lautgetreue Transkription. Wir sehen ferner