Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 307 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Weitere Beiträge 118w. 307 in voriger Abhandlung zum Erklären des polnischen oi angeführt wurden (a 4־ ü aü äu oi) meinen nicht ein Vorrücken der Umlautpunkte, aber ebenso selbstverständlich nicht ein etwa durch Klima, Rassen-Mundform oder sonstige Aeusserlichkeiten bediogte Umlautung der Teile des Diphthonges, sondern beziehen sich/‘wie Vossler wörtlich sagt, auf Vorgänge in der Seele des Hören d e n. Bleiben wir beim angegebenen Beispiel. Noch heute sprechen weite Teile Deutschlands den Vokal von •״Leute“, gleich ä־ü. Die Dissimilation des ä zu ä und die des ü zu i ist in allen anderen Gegenden vollzogen; in der erwähnten Gegend allein sollte eine körperliche Ursache irgend welcher Art sie verhindert und die dem Schriftbilde entsprechend (e־u) älter scheinende Aussprache conserviert haben? Das erscheint undenkbar. Wahr ist vielmehr, dass in erwähnter Gegend die hochdeutsche Sprache nicht bodenständig war, und der scheinbar ältere Lautbestand in Wirklichkeit eine ■;ungeschickte Leseweise (e-u) dar stellt; das ö ist nur ein Mischding aus dem gehörten i (oi) und dem gelesenen u (eu). Ohne weiteres ergibt sich .hieraus die Anwendung dieser seelenkundlichen Beobachtung auf unser Cholem. Wir beginnen mit dem ostaschkenasischen oi. Dieses hatten wir als Diphthong aus a und griechisch o (Ypsilon, — so auch in vorigem Aufsatz statt ט zu lesen!) erklärt. Den o-Laut bezeugen selbst älteste Transskriptionen. Er fehlt völlig in der Landessprache des eigentlichen Polen; er ist erhalten im Magyarischen, in dessen Sprachgebiet auch er im Hebräischen gelesen wird. Man hat jedoch in Ungarn nicht vergessen, dass ein dem Waw verwandter Laut im zweiten Teile des Cholem zu lesen ist, und demgemäss hört man dort tatsächlich מזח m 0 ü w a c h, wobei das w ein sonst nirgends zu findendes konsonantisiertes ü, bei älteren Leuten ein sonorer Pfeiflaut ist. Kein Wunder also, dass man in Polen, wo die Landessprache kein ü kennt, dieses oü einfach gleich ä-i gehört und auf diese, nach den Vorbegriffen der Hörenden einzig mögliche Wahrnehmung hin ganz von selbst den heute üblichen polnischen Cholem - Laut gesprochen hat. Ist diese Theorie nun ein Beweis für das hohe Alter des