Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 270 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Der Streit zwischen Saadja Gaon usw. Friede geschlossen. Ein gemeinsames Festessen im Hause des Exilarchen besiegelte die neue Freundschaft. Noch zwei Tage blieb Saadja Davids Gast. In freudigster Stimmung schieden die ehemaligen Feinde als Freunde von einander. Ein Alp war von ihnen und der ganzen babylonischen Judenheit vom Herzen genommen. Es war wieder Friede in Israel. Saadja übernahm wieder die Leitung der Suranischen Hochschule. Auch den Joseph ben Jakob, den bisherigen Gegengaon Saadjas, schloss man in den Frieden ein. Wenn er auch neben Saadja die Hochschule nicht leiten konnte, so liess man ihm doch alle Bezüge, die ihm bisher zugekommen waren. — Saadja hielt seinem neuen Freunde noch über das Grab hinaus die Treue. Als David starb und ihm nach sieben Monaten sein Sohn in den Tod folgte, nahm Saadja Davids zwölfjährigen Enkel bei sich auf und erzog ihn wie einen eigenen Sohn. VI. Obige Darstellung des Streites zwischen Saadja und David ben Sakkai dürfte sich auf Grund des uns vorliegenden Quellenmaterials ergeben. Sie weicht von der üblichen Auffassung zu Gunsten des Exilarchen ab. David erscheint nicht als der allein Schuldige. Man hat nicht das Recht, ihm Bestechlichkeit vorzuwerfen. Auch kann man nicht beweisen, dass er zuerst die Regierung des Kalifen in den innerjüdischen Streit hineingezogen. Das Zerwürfnis entsprang dem Zusammenstoss zweier Männer von unnachgiebigem Charakter. Beide waren von ihrem Rechte überzeugt und glaubten, sich scharfer, uns vielleicht allzu scharf, ja unerlaubt scheinender Mittel bedienen zu müssen. Doch ist dieses aus der Erbitterung und den Verhältnissen zu verstehen und berechtigt uns nicht, sie zu verdammen. Der Versuch, dem Exilarchen gerecht zu werden, entspringt keiner Abneigung gegen Saadja, einem der allergrössten Söhne des jüdischen Volkes. Er möchte ein Unrecht gut machen, das die jüdische Geschichts- Schreibung in der Beurteilung Davids ben Sakkai begangen hat. Solches geschieht sicher auch im Geiste des grossen Gaon .כי כתוב בתורה לא תכירו פנים כמשסנני■