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Jeschurun · 1927-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1927) · p. Seite 269

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
Seite 269 (sequence 63)
Language
German
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Der Streit zwischen Saadja Gaon usw; 269 Saadjas musste durch seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen ständig wachsen. Es war allmählich ein unerträgliches Gefühl geworden, dass ein Mann von solcher Grösse unter dem Drucke des Bannes leben musste. Es bedurfte nur eines Anlasses, um den Volkswillen zum Eingreifen zu bewegen. In einer Streitsache hatte die eine Partei den Exilarchen David, die andere den abgesetzten Gaon zu Schiedsrichtern gewählt. Der Exilarch empfand die Wahl Saadjas als Beleidigung und liess den Anbänger seines Gegners misshandeln. Der Geschlagene beklagte sich hierüber in der Oeffentlichkeit. Man verdachte dem Exilarchen die Gewalttätigkeit um so mehr, als der Misshandelte nicht der Rechtsprechung des Exilarchen unterstand. Man sah hierin nicht nur hässliche Gewalttätigkeit, sondern auch dem Versuch, die von Alters her bestehenden Grenzen zwischen den Rechten des Exilarchen und der Geonim zu überschreiten. Man sah hierin eine Folge des Streites, der schliesslich alle Grundlagen des jüdisch-babylonischen Rechtslebens vernichten konnte. Der Streit musste aufhören. Als geeignetste Persönlichkeit erschien Bisr ben Aharon. Als Schwiegervater des Kalaf ben Sardjadu, des erbittersten Feindes Saadjas und des eifrigsten Parteigängers- Davids ben Sakkai, konnte er am besten auf den Exilarchen־ einwirken. Man forderte Bisr auf, zwischen den Gegnern zu vermitteln. Er übernahm den Auftrag69. Am Taanit Esther berief er in sein Haus eine Versammlung der angesehensten Männer Bagdads unter ihnen auch den Exilarchen. Sehr eindringlich redete er ihm zu, endlich mit Saadja Frieden zu schliessen. Vielleicht hatte David im Stillen auf eine solche Aufforderung gewartet; jedenfalls sah er ein, dass er sich dem Willen der jüdischen Oeffentlichkeit, die die endliche Beilegung des Streitesverlangte, nicht länger widersetzen durfte, und erklärte sich zum Frieden bereit. Sogleich lud Bisr den Saadja und seine nächsten Freunde zu sich ein. In einem anderen Zimmer redete er ihm ähnlich zu, wie er mit dem Exilarchen gesprochen hatte. Auch Saadja war bereit, den Streit zu beenden. Jetzt führte Bisr die langjährigen Feinde zusammen. Unter Umarmungen wurde der 69} Zu folgendem vgl. Natan Hababli in Juchasin, ed. Krakau 122 a u. b, ed. Königsberg, 120b—121 a.

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