Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 267 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Streit zwischen Saadja Gaon usw. 267 ״ihr sollt kein Ansehen kennen im Gericht“. Der erzürnte Exilarch befahl dem Sohn, in wenig freundlichen Worten die Unterschrift zu verlangen. Jehuda aber wollte den Gaon nicht beleidigen und versuchte, ihn in höflicher Weise zur Unterschrift zu bewegen. Da Saadja sich weigerte, schickte der Exilarch den Sohn immer wieder zu ihm. Schliesslich verlor der Jüngling die Selbstbeherrschung und drohte dem Gaon mit Tätlichkeiten. Die Schüler hören es, packen den Exilarchensohn und werfen ihn zur Tür hinaus. Weinend kommt der Jüngling zum Vater und erzählt ihm den Hergang. Der Konflikt ist da Exilarch und Gaon beide fühlen sich als die Beleidigten. Jeder fordert vom anderen Genugtuung. Die Erbitterung wächst. Die baby- Ionische Judenkeit teilt sich in zwei Lager. Die meisten Gelehrten halten zu Saadja. Er ist der Torafürst, niemand darf ihm zumuten, gegen seine Ueberzeugung dem Entscheid eines anderen zuzustimmen. Die Androhung von Tätlichkeiten ist nicht nur Beleidigung des Gaon, sondern der Tora. Die angesehenen Juden Bagdads sind auch für Saadja, sei es aus Anerkennung seiner Grösse, sei es aus Abneigung gegen David ben Sakkai. Der Gaon von Pumbedita hält sich noch zurück. Er billigt weder Davids noch Saadjas Verhalten. Ihn, den Spross der alteingesessenen Geonimfamilie, der in der rein talmudischen Sphäre Pumbeditas aufgewachsen ist, mag auch die Geistesrichtung Saadjas abgestossen haben. Wohl muss auch er die talmudische Grösse des Suraner Kollegen anerkennen, aber die Beschäftigung mit so vielen nichttalmudischen Wissensgebieten ist ihm fremd, erscheint ihm vielleicht gefährlich. Solche Gefühle mögen auch den gelehrten Bagdader Kaufmann Kalaf ben Sardjadu zu seiner Stellungnahme gegen Saadja veranlasst haben. Bei ihm sprach auch Eifersucht gegen seine geistige Ueberlegenheit mit. Auf die Höhe getrieben wird der Streit durch einen verhängnisvollen Schritt Saadjas. Er lässt sich dazu hinreissen, über David den Bann auszusprechen und ihn für abgesetzt zu erklären. Zum neuen Exilarchea bestimmt er seinen Bruder Josia-Hassan. Die Parteigänger Saadjas machen ihren Einfluss bei der Regierung des Kalifen geltend, um ihn zur Amtsenthebung