Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 262 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Der Streit zwischen Saadja Gaon usw. betrachten. Hierdurch verschiebt sich die Schuldfrage zu Gunsten Davids. Wenn man auch mit Natan die Veranlassung zum Zerwürfnis in dem Benehmen des Exilarchensohnes sieht, so war es doch nicht David ben Sakkai, der mit der Ämtsentsetzung des Gegners begonnen. Den Anstoss zu der Entwickelung des Kampfes, der die babylonische Judenheit so tief erschütterte, hat nicht der Exilarch gegeben, sondern Saadja, indem er gegen David, der ihn zwei Jahre vorher zum Gaon von Sura berufen hatte, den Bannstrahl schleuderte, ihn des Amtes entsetzte und dessen Bruder Josia zum Exilarchen ernannte. Wer den Anfang damit machte, die Regierung des Kalifen in den innerjüdischen Kampf hineinzuziehen, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. David beschuldigt Saadja, er habe seine Gegner der Regierung übergeben. Doch mag dies Notwehr gewesen sein, sich des gleichen Schrittes der feindlichen Partei zu erwehren. Aus Natans Bericht sehen wir ja, dass Kalaf durch hohe Geldsummen die Wesire zur Absetzung Saadjas veranlassen wollte, dass aber die Freunde des Gaon, besonders die Söhne Netira’s, ihren Einfluss zu seinen Gunsten geltend gemacht haben. Wenn der Exilarch behauptet, die Gelehrten der Hochschulen haben dem Bann gegen Saadja und seiner Absetzung zugestimmt, so meint er die ihm ergebenen Gelehrten. Es ist möglich, dass die Zahl der Anhänger Saadja’s, die ursprünglich die Mehrheit der Gelehrten ausmachten, allmählich geringer wurde. Vielleicht mussten auch Saadjas Freunde die Hochschulen verlassen. Etwas ungenau behauptet David, die Rektoren der Hochschule haben ihm zugestimmt. Er betrachtet dabei den von ihm ernannten Joseph bereits als amtierenden Gaon von Sura. Die Behauptung Saadja’s, man habe sein Leben bedroht, findet weder durch Natan Hababli noch durch R. Scherira Bestätigung. Nur R. Abraham ben David hat sie noch. Sie mag etwas übertrieben sein. Dass man sich an dem Gaon tätlich vergriff, schreibt auch der Karäer im Namen Kalafs. sondern nur die gegenseitige Absetzung, zuerst die Davids, dann die Saadjas. Doch ist die Erwähnung des Bannes wohl nur unterblieben, weil sie im Verhältnis zur Absetzung weniger wichtiger erschien.