Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 260 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Der Streit zwischen Saadja Gaon usw. nügenden Abstand zur richtigen Bewertung hatten, sich durch Aeusserungen des Selbstbewusstseins verletzt fühlten und sie als Zeichen der Ueberhebung betrachteten. Unberechtigt, aber menschlich begreiflich, ist auch eine Abneigung mancher Baby- Ionier gegen den ägyptischen Ausländer. Wenn wir sehen, dass Saadja seinen Gegnern Unwissenheit und Feindschaft gegen die Wissenschaft vorwirft, und dass andererseits Kalaf es wagt, den Gaon als Ketzer zu bezeichnen, so dürfen wir annehmen, dass der Streit tiefere Gründe — vielleicht im Unterbewusstsein der Gegner — hatte. Saadja war der erste Gaon, von dem wir wissen, dass er eine sehr ausgebreitete und gründliehe aussertalmudische Bildung besass. Er beherrschte Wissensgebiete, die jedenfalls in dem letzten Jahrhundert auf den baby- Ionischen Hochschulen wenig gepflegt waren. Vielleicht waren diese Fähigkeiten für den Exilarchen mit veranlassend gewesen, Saadja zum Gaon der gesunkenen Hochschule zu berufen. Und tatsächlich hatte durch den neuen Gaon die Suranische Metibta wieder erhöhten Zustrom. Und gerade das überragende Wissen Saadjas — auf talmudischem und aussertalmudischem Gebiete — gewann ihm Anhänger unter den Gelehrten, wie unter den angesehenen Kaufleuten Bagdads. Andererseits wäre es zu verstehen, dass die Geistesrichtung des neuen Gaon auch viele Gegner in der babylonischen Geistesaristokratie fand. Wenn nach Natan Hababli und Masudi bei Beginn des Streites viele Gelehrte auf seiten Saadjas standen, so hat hierzu wohl viel beigetragen, dass er vom Sohne des Exilarchen beleidigt war. Dieses mag auch für den Pumbeditanischen Gaon der Grund gewesen sein, nicht gleich in den Streit einzugreifen. Eigentlich war doch er durch Saadja blossgeatellt; der jüngere Suraner Gaon hatte den Entscheid, dem er zugestimmt hatte, nicht gebilligt. Und doch berichtet Natan nichts über seine Stellungnähme. Wie der Karäer ausdrücklich schreibt, griff — wohl später — Saadja den Pumbeditaner Gaon heftig an, und dann erst schrieb dieser gegen ihn und unterschrieb den Bann des Exilarehen. Auch ihm mag die Geistesrichtung Saadjas nicht ungeieihrlich erschienen sein. Wesentlich für seine Stellungnahme