Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 239 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2292929-2293050-2293053--09022-2302305- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beiträge zur talmudischen Methodologie 239 leuchtend und es lässt sich für diese Ansicht auch eine Stelle aus dem Talmud als Beleg erbringen. Setzt die Auslegung als solche voraus, dass bei der Abfassung der Quellen stilästhetische Faktoren eine Rolle spielten, so muss eine solche Auslegung, die eine רישא in ihrer Formulierung durch den Wortlaut der סיפא beeinflusst sein lässt, noch eine andere Voraussetzung machen. Die, dass eine Art gedanklicher Vorwegnahme vorliegt, derart, dass der Sprechende, im Gedanken rascher als sein Sprechen, die סיפא schon konzipiert, bevor noch die רישא gesprochen ward. Nur so konnte dann diese harmonisch oder symmetrisch mit jener formuliert worden sein. Die Vor Wegnahme findet sich auch sonst in den Litteraturen, aber die Annahme, dass sie vorliegt, lässt immerhin eine Erklärung, wonach die Formulierung der רישא durch den Wortlaut der סיפא beeinflusst ist, noch gezwungener erscheinen, als die umgekehrte. Bestätigt wird dies durch die Talmudstelle Zeb. 91 b. Dort wird nach einer solchen Erklärung, die die רישא in ihrer Formulierung durch den Wortlaut der סיפא beeinflusst sein lässt, die Diskussion mit den folgenden Worten fortgesetzt: בשלמא סיפא תני משום רישא אלא רישא משום סיפא מי תני אין אמרי במערבא תני רישא משום סיפא. Nach Sanh. 17 b ist mit אמרי במערבא stets ein Ausspruch ד ירמיה’s beeinflusst ist, obwohl an der betreffenden Stelle es möglich wäre, zu erklären, dass der Satz durch den Wortlaut des vorhergehenden beeinflusst ist. Wenn es Sukka 14b heisst: איידי דקאמר רבי מאיר מצטרפין אמר רבי יהודה אין כצמרפין, so mag dem Talmud der Ausdruck אין מצמרפין in den W orten רבי יהודה ’s als Gegensatz zu מצטרפין des רבי מאיר, der von נסרים spricht, erklärlicher sein, als als Gegensatz zum vorhergehenden מצטרפין, da vorher von סדיבין die Rede ist. Zu Gittin 23 a איידי דקתני שפוי ונשתטה וחזר ונשתפה ובי׳ חני נמי פיתח ונסתמא וחזר ונתפתה. wo auch eine Erklärung, dass der Satz nach dem vorhergehenden פיקח ונתחרש והזר ונתפקח stilisiert ist, möglich wäre, ist etwa הגהות הרש״ש z. St. zu vgl.: pS נ*ל דר׳יל ג״כ איידי דרישא פיקח ונתחרש אלא משום דאיידי לבד לא סגי הוסיף ג״ב איידי דסיפא (diese Erklärung träfe auch für die Sukka-Stelle zn). Wenn endlich Jerusalmi Jeb. פ״ד ה ט am Schlüsse der Satz der Mischna יבמתו שמתה כותר באחותה ei klärt wird, dass möglicherweise auch dasselbe für אמה gilt, nur: תגי p בגין דחנינן הלץ לה ומתה מותר באחותה הא באמה אסור לפום אחותה, während Babli Jeb 17 b erklärt הוא הדין דאפילו באמה ואיידי דתני רישא אשתי שמחה מדתד באחותה וכו׳ תנא נמ* סיפא מותר באחותה, so mag wieder dem Jeruschalmi der Satz eher nach dem Wortlaut der סיפא, die auch von יבמה spricht, iorcnuliert sein. (Auch hier wäre die Erklärung des רש״ש zur Gittin- Stelle möglich.) Es scheint mir überhaupt, dass an allen 3 Stellen nur gesagt sein soll, dass der fragliche Satz in der Quelle nach dem Wortlaut der übrigen Sätze, die vor־ und nachher stehen, stilisiert ist. Deutlich gesagt wird nur letzteres, ersteres als selbstverständlich übergangen.