Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 230 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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230 Nordfranzosische Klassiker usw. sie unmittelbar aus dem UrqueB. Ihre Bibelauslegung, sowie alle sonstigen Studien erwuchsen aus echt jüdischem Ursprung, mochten sie auch wissenschaftlich oft unzulänglich sein. So stellt sich uns der Unterschied zwischen den beiden Schulen als ein markanter, als ein wesentlicher dar. Die islamische vom Fremden beeinflusst und durchtränkt, die französische in überlieferter Reinheit. Die französische Schriftauslegung zog einen Teil ihrer Nahrung aus dem Boden der hebräischen Muttersprache und konnte Früchte zeitigen, an denen sieh viele Generationen unseres Volkes gelabt und auch in Zukunft laben werden. Kein Kommentar der heiligen Schrift hat jene Bedeutung und Verbreitung erlangt, wie die Baschis und David Kimchis, die beide מאספים לבל המחנות in mustergültiger Weise waren, und die ihre Arbeiten hebräisch und nur hebräisch geschrieben haben. Die Vorgänge in der arab-spanischen Kulturspräche haben ihre Analogie oder besser gesagt, ihre Wiederholung in den Ländern Westeuropas in dem letzten Jahrhundert gefunden. Auch hier schwand allmählich die Kenntnis des Hebräischen. Man musste die Bibel in deutschen Targumen, die meistens nicht dem Geiste der Tradition entsprachen, dem Volke übermitteln. Ja, man kam soweit, dass nicht nur die Wissenschaft des Judentums deutsch (od. französ. u. engl.) geschrieben wurde, sondern auch auf halachischem Gebiete wird alles in der Landessprache behandelt. Die winzigen חדושי תורה nicht ausgenommen. Es trat eine furchtbare Entfremdung vom Geiste unseres לשון הקודש und damit auch vom wahren Geist unserer Tora und unseres gewaltigen hebräischen Schrifttums ein. Durch die Preisgabe unserer Sprache ist auch das Denken nicht mehr rein jüdisch. Die Folgen sind zur Genüge bekannt. Ob aber nicht die umfangreiche westliche jüdische Literatur auch in ihren klassischsten Werken, soweit sie nicht ins Hebräische übersetzt werden, das Schicksal der arab.-jüdischen Literatur teilen wird, ימים ידברו. Wir haben allen Grund in dieser Beziehung pe^simistisch zu sein. Zeit ist’s zur Umkehr! Doch wie kam es, dass mit Ausnahme Raschis auch die nordfranzösische Exegese dies Schicksal ereilte, trotzdem sie in unserer heiligen Sprache geschrieben war? Die Ursache ist unseres Erachtens unschwer festzustellen. Die nordfranzösischen Exegeten wollten, wie