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Jeschurun · 1927-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1927) · p. Seite 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
Seite 217 (sequence 11)
Language
German
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Zum Wesen der jüdischen Aesthetik 217 unbegreifliche Erscheinung. Es ist aber der, wie gezeigt, ausgesprochen unjüdische Charakter des Bildkünstlerischen, seine pantheistisch-schwärmerische Grundstimmung und sein Anspruch ״auf einfühlende Kontemplation, der die Entwicklungslinie der Halacha auch in dieser Ebene weitergetrieben hat. Die Tatsache, dass vereinzelt halachische Abweichungen von dieser Richtung auftreten, kann die Gesamttendenz der Entwicklung nicht übersehen lassen1). 11. Das unjüdische Wesen der darstellenden Kunst tritt aber noch schärfer in die Erscheinung, wenn wir das spezifisch jüdische Verhalten zum Reich der Aesthetik erkannt haben. Bisher ist die Ablehnung der Bildkunst nur aus Gründen hergeleitet worden, die ausserästhetischer Natur sind. Eine Einsicht in das Wesen der jüdischen Aesthetik aber wird ergeben, dass diese Kunstzweige schon aus Gründen der positiven jüdischen Einstellung zum Aesthetischen bei uns verkümmern mussten. Eine klare Erkenntnis der jüdischen Aesthetik lässt sich nun am besten dadurch gewinnen, dass das Wesen der moderneuropäischen Aesthetik, zu der sie in Gegensatz steht, in ihren Grundlagen beleuchtet wird. Es ergibt sich hierbei folgendes Anschauungssystem: Bildende Kunst gestaltet tote Materie zur Form. Ihr Zweck ist die Lebendigkeit dieser Form durch Schönheit. Schönheit soll dem Stoff zum Lebensausdruck und zum Lebenswert seiner Form verhelfen. Denn der Schönheit haftet Leben und Wert unmittelbar an. Würde Schönheit ihr Eigenleben und ihren Eigenwert nicht in sich tragen, so wäre es widersinnig, von ihr die Belebung und Wertsteigerung einer toten materialen Form zu verlangen. Wäre Schönheit nur eine Qualität des Lebendigen, nicht aber ein in sich ruhendes Lebensprinzip, so verlöre die 1) Vgl. Rambarn Hilch. Ab. Sara III, 6; ebenda III, 10; Or Sarua 4,55; Jore Dea § 141; hierzu Ture Sahab § 12,13; Chatam Sofer, Jore Dea, Response Nr. 128; Samuel Archevolti aus Padua, Response, veröffentlicht von D. Kaufmann in Jewish Quarterly Review IX, 266—9.

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