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Jeschurun · 1927-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1927) · p. Seite 210

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1927)
Date
1927-05-01
Page
Seite 210 (sequence 4)
Language
German
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210 Zum Wesen der jüdischen Aesthetik Bevor aber das Gebiet der jüdischen Aesthetik skizziert werden kann, ist es nötig, seine Grenzen abzustecken, d. h., alle ästhetischen Faktoren, die unjüdischen Charakter aufweisen, von vornherein auszuschliessen. Eine solche Abtrennung wird sich nun am ehesten dadurch vornehmen lassen, dass der Kunstzweig, dem das Judentum ablehnend gegenübersteht, die bildende Kunst, auf Elemente hin geprüft wird, die eine solche Stellungnähme verursacht haben könnten oder rechtfertigen. Wenn dann die dem jüdischen Wesen heterogenen Bestandteile des ästhetisehen Verhaltens erkannt und beiseite geschoben sind, kann die eigentliche positive Betrachtung der jüdischen Aesthetik erfolgen, die gegenüber der mehr trocken-theoretischen Vorunter- Buchung naturgemäss stärker von der Lebendigkeit der Tat- Sachengegebenheiten durchsetzt sein wird. I. Der Begriff der ״Einfühlung״, der in den Systemen von Lipps1) und Volkelt2) eine zentrale Stellung einnimmt, ist für die psychologische Behandlung unseres Fragenkomplexes von wesentlicher Bedeutung. Zwar ist die Einfühlungstheorie in der neueren Zeit scharf kritisiert worden3). Vor allem wird ihr unumschränkter Geltungsanspruch bekämpft. So bezweifelt Meumann, dass elementare Fälle ästhetischen Verhaltens durch Einfühlung zu erklären seien. Ebenso meint Dessoir: מ ... wo es sich um einfache Proportionen handelt, findet sicher keine Einfühlung statt.״ Paul Stern rügt den terminus ״Einfühlung״, weil er den ästhetischen Akt zu allgemein in ״Bausch und Bogen״ charakterisiere. Wilhelm Worringer stellt der ״Einfühlungsästhetik״ eine ״Abstraktionsästhetik״ gegenüber. Doch alle diese und noch andere Einwände hat Volkelt sehr überzeugend widerlegt4). Die Berechtigung der Einfühlungstheorie scheint *) Lipps, Theodor, ״Aesthetik“. — 2) Volkelt, Johannes, ״System der Aesthetik״. — 3) Von Paul Stern, Max Dessoir, Richard Müller-Freienfels, Ernst Meumann, Wilhelm Worringer u. a. — 4) In seinem Buche ״Das ästhetische Bewusstsein״. —

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