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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 206 (sequence 104)
Language
German
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206 Büeherbesprechuugen herausgehoben, und zwar behandelt er in dem Kapitel das Wahrheitsmoment des Rationalismus: ״Offenbarung und Vernunft״: a) das Erkenntnisproblem, die Frage nach der wahren Wirklichkeit, b) das sittliche Problem, die Frage nach der wirklichen Wahrheit, c) die Offenbarung der Gottesgerechtigkeit und der Glaube, d) die Offenbarung und die Probleme der Vernunft. In dem 2. Kapitel das Wahrheitsmoment des Subjektivismus: Offenbarung und religiöses Erlebnis. Im 3. das Wahrheitsmoment des Historismus: Offenbarung und Religionsgeschichte und im 4. das Wahrheitsmoment der Orthodoxie: die Bibel als das Wort Gottes. Es ist eine sehr ״konservative“ Religionsphilosophie, die uns Brunner gibt, ja sie versteigt sich an verschiedenen Stellen za der Maxime: credo, qaia absurdum ״die christliche Kirche weiss es seit ihrem Bestehen, dass, was sie glaubt, für das vernünftige Denken Torheit und Aergernis ist. Gegenstand des Glaubens ist das für die Vernunft absurde, das Paradox, und an allen echten Glaubensaussagen haftet als ihr Kennzeichen das Merkmal logischer Unmöglichkeit: der Widerspruch“ (S, 25). ״Eine objektive, neutrale, ״rein wissenschaftliche“ Theologie ist ein Unding“ (S. 95). Aber so sehr der Vf. die Selbständigkeit der Religion gegenüber der Vernunft verficht und darum in der Frage ״Glaube und Wissen“ recht entschiedene Antworten gibt, in״ bezug auf die Bibelkritik bat er nicht den Mut mit der Grundlage der liberalen protestantischen Theologie zu brechen. Er leitet das Recht dazu her aus der Kritik, die sich Luther bekanntlich, und oft in scharfer Weise, gegen die Verfasser der alttestamentlichen Schriften erlaubt hat. Aber in dem Ausmass, wie die. Bibelkritik heutzutage geübt wird und die Grundlagen der positiven Religionen erschüttert, ist sie selbstverständlich nicht der Ausdruck der inneren Ueberzeagaug der Reformatoren. Und der Vf. möge es uns verzeihen: Dadurch, dass er das Christuserlebnis immer und immer wieder in den Vordergrund rückt, hat er es sich leicht gemacht. Dies Uebervernünftige — wir Juden empfinden es als widervernünftig — kommt mit den eigentlichen Fragen, die den gebildeten Menschen der Neuzeit der von den Wahrheiten seiner überlieferten Religion en doch nicht lassen will, kaum in Konflikt. Man könnte sagen: es kommt mit den Grundfragen einer jeden Reiigionsphilosophie kaum in Berührung. Selbstverständlich lassen sich die Berührangslinien konstruieren und der Vf. hat in geradezu künstlerischer Linienführung den Christusglauben zum Zentrum seiner Zeichnung gemacht. Dem religiös Inter״ essierten eines anderen Bekenntnisses sagt er aber zn wenig. Immerhin ist das Buch eine aussergewöhnliche Erscheinung in der Literatur der Religionsphilosophie. Der Mut, mit dem nach allen versehwommenen, verwaschenen, eines jeden positiven Glaubens baren Theorien, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt, die religiöse Ueberzengung an den Grandwahrbeiten des Traditionalismus orientiert wird, verdient Aner״ kennang and das ״Handbuch der Philosophie“ erhält dadurch, wahrlich nicht zn seinem Schaden, eine besondere Note. J. W.

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