Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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,Metrum“ als Mittel der Textkritik usw. 165 übrigens ein gedanklicher Einfluss eine Rolle gespielt? Schon Budde hat in seiner Abhandlung über den Kina-Rhythmus geurteilt, dass mit Zeilen von drei und zwei Hebungen auch solche mit zwei und zwei Hebungen ab wechseln können, indem eine Hebung durch die Wucht des Gedankens ausgeglichen werden könne 1). Sievers in seinen ״Metrischen Studien״ § 52 meinte, diese Ansicht genügend widerlegt zu haben, indem er sie auf Verwechslung von Metrik und Stilistik zurückführte. Aber damit scheint mir die Sache nicht abgetan. Denn die in Rede stehende Ansicht wird teils durch Tatsachen in der althebräischen Poesie selbst und teils durch Analogien aus anderen Literaturgebieten unterstützt. Man vergleiche nur z. B. neben den drei Hebungen von 5. Mos. 32,30 b a den zweihebigen Stichos ״und der Ewige hat sie preisgegeben״! Da hat die Schwere des Gedankens auch an zwei Taktschlägen genug Gewicht des Ausdrucks besessen oder zur Wahl des eigentlichen Klageliedverses, der bekanntlich drei || zwei Hebungen zeigt, gedrängt. Ferner zeigt dieser Einfluss des Gedankengehalts auf die Form sich auch in anderen Literaturen. Man erinnere sich nur an die Zeilen ״Von dem Dome schwer und bang Tönt die Glocke Grabgesang״! Warum denn soll nicht auch in der hebräischen Dichtung dieser Einfluss gewaltet haben? Deshalb ist dem Rhythmus dieser Poesie ideelle Freiheit zu- Zusprechen. Und nun untersuche man die neueren Kommentare darauf hin, ob sie diesen Charakter des Rhythmus der althebräischen Dichtung respektiert haben! In Gunkels Psalmenkommentar von 1926 liest man S. 4 über Ps. 1, 3: ״Die Verse (ein Fünfer und ein Sechser?) machen Schwierigkeit; am leichtesten streicht man nach Jer. 17,8 פלגי und ausserdem בעתו, beides als Auffüllungen״. Deshalb lautet bei ihm Ps. 1,3 (S. 1): ״Der ist wie ein Baum, ans Wasser verpflanzt, der seine Früchte bringt, und des Laub nicht welkt״. 0 Budde in der Zeitschrift für die alttestamen!liehe Wissenschaft (1882), S. 4f.