Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 150 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Die jüdische Geschichtsschreibung usw. Die jüdische Geschichtsschreibung im Mittelalter.1) Von Dr. M. Auerbach, Berlin. Teil I. Seit Abschluss des Talmuds bis zum Ende des •* zwölften Jahrhunderts. Wenig umfangreich ist die uns bekannte jüdische Geschichts- Schreibung in der Zeit seit Abschluss des Talmuds bis zum Ende des Mittelalters. Manche geschichtliche Niederschrift ist uns verloren gegangen, manche mag in einer Genisa oder einer Bibliothek ihrer Auffindung harren. Doch kann auch die uns verlorene Geschichtsliteratur nicht gross gewesen sein. Irgend welche Hinweise oder Zitate in der späteren Literatur pflegen uns Kunde von verschollenen Werken zu geben. Tatsächlich kennen wir einige uns nicht erhaltene geschichtliche Aufzeichnungen durch solche Bemerkungen der Späteren.2) Das Fehlen einer umfangreichen Geschichtsliteratur ist bei uns Juden, dem geschichtlichsten aller Völker, auffällig. Durch Thora und Propheten sind wir doch seit ältester Zeit zum Interesse an den historischen Tatsachen und zu geschichtsphilosophischen Betrachtungen erzogen. Für die Bewertung der Geschichte in tannaitischer Zeit ist die Bemerkung des Seder Olam rabba (c. 17) bezeichnend, dass der Prophet Elijahu die Geschichte aller Generationen niederschreibt ועכשיו הוא כותב מעשה כל הדורות כולם. Die Seltenheit geschichtlicher Arbeiten im Mittelalter ist mit der Konzentrierung des Geisteslebens auf das Talmudstudium nicht restlos erklärt. Schon früh tritt mit dem J) Selbstverständlich ist Steinschneiders ״Geschichtsliteratur der Juden״ (Frankfurt a. M. 1905) sehr viel benutzt. — Etwas abweichend vom üblichen Gebrauch, mehr der jüdischen Literaturgeschichte entsprechend, ist hier unter ״Mittelalter״ die Zeit vom Abschluss des Talmud bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts verstanden. 2) vgl. S. 151 ff.