Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 138 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Jüdisches Leben usw. nicht für unanfechtbar erklären, neigen vielmehr der Ansicht der Sozialwissenschaftler A. Ruppin, F. Teilhaber, F. Kahn u. a. zu, dass die Juden als Rasse und Typus durch Antisemitismus, sozialwirtschaftliche Hemmungen und gesellschaftliehe Vorurteile kaum vor allmählicher Abbröckelung, ja Zer- Setzung und völligem Verfall geschützt werden. Es bleibt vielmehr unsere Ueberzeugung, dass wir (aus Gründen der Selbsterhaltung und des Rassencharakters) in dem Mahlstrom modern - kultureller Einflüsse dauernd nur dann bestehen können, wenn wir Juden uus auf unsere gottgewollte wahre Bestimmung als Religions-N ation besinnen und alte und neue Kulturwerte, als freies Volk und getragen von der Hoffnung auf ein eigenes Land, zu schaffen uns bemühen und demgemässe Gegenwartsarbeit leisten. * * Zusammenfassend sei noch folgendes zum Schluss angemerkt: Wir erblicken in dem Romane des Dichters Ibanez einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis des zeitgenössischen Marannentums in Spanien, einen ersten dichterischen Versuch, uns mit der seelischen Wesenheit des Marannen, mit dem vergrabenen Funken und glimmenden Erwachen seines jüdischen Kultur- und Rassenbewusstseins bekannt zu machen. Zum ersten Male hören wir aus dem Munde eines modernen Marannenjuden (Pablo) edle Worte des Stolzes auf jüdische Kulturgrosse, Worte der Treue und Anhänglichkeit zur Volksgemeinschalt — seltene, ungeahnte Laute, vermittelt durch den Mund eines spanischen Dichters von unbestritten europäischer Geltung — Worte, die es verdienen, für jüdische Leser festgehalten zu werden. Darum sei das Buch weitesten jüdischen Kreisen empfohlen. Es ist ein feinsinniges, vornehmes, ideenreiches, jeder Sensationsmache abholdes Werk von starkem Gestaltungsvermögen, das jeden Leser in seinen Bann zwingt und an tiefste Probleme unsrer Volksgemeinschaft rührt. Ibanez’ Grundidee, die Idee von der Unzerstörbarkeit der Rasse, ähnlich dem Gesetz der Erhaltung von Stoff und Kraft in der Physik, ist fast ein metaphysisches Problem.