Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 137 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben usw. 137 mit der katholischen Bevölkerung aller Klassen vermischen und vermählen und zu den höchsten sozialen Stellungen gelangen können. Denken wir uns diese Entwicklungslinie in mehreren Generationen fortgesetzt, gibt es wohl keinen Damm, stark genug, eine restlose Auflösung des Marannentums in Spanien aufzuhalten, es sei denn, dass sich die Maran.nen ihrer Zugehörigkeit zum Gesamtjudentum wieder bewusst werden. Schon sind für das Letztere, das Erwachen jüdisch-nationalen Geistes bei den Marannen in Spanien, Anzeichen vorhanden. Durch die neue Phase der Wertschätzung der Judenchristen von seiten der Regierenden, wohl auch durch das Eindringen jüdisch - kontinentaler Einflüsse, macht das Bewusstwerden jüdischer Kulturwerte bei den Spaniern jüdischer Herkunft in den letzten Jahrzehnten grössere Fortschritte, und in allen Schichten und Klassen der Bevölkerung, besonders bei der Intelligenz (weniger in der Adelskaste) ist eine leidenschaftliehe Neigung in neuester Zeit bemerkenswert, Spuren jüdischen Blutes und jüdischer Abstammung bei sich festzustellen und entsprechende Charaktereigenschaften in sich aufzudecken.1) Von manchen Intellektuellen wird in Zeitschriften der Gedanke sogar ernsthaft erörtert, dass man durch Masseneinwanderung festländischer Juden und durch Zurückrufen der sephardischen Juden aus Marokko und dem Orient eine neue Blüte spanischer Kultur und spanischen Wirtschaftslebens heraufführen möge. Ernsthaft wird in Tageszeitungen und Zeitschriften der Forde« rung Ausdruck gegeben, dass das Austreibungsedikt von 1492 gegen die Juden, das noch verfassungsmässig besteht, zugunsten einer unbeschränkten Einwanderung baldmöglichst aufgehoben werde2). Wir können demnach kritisch rückschauend die These des Dichter Soziologen Ibanez, dass Rasse sich nicht restlos mit Rasse mischen oder eine gegen die andre auflösen könne, ף Maximo Jose Kahn aus Toledo: Wie stellt sich Spanien zu den Juden? Hamburger Isr. Familienblatt vom 10. Febr. 1927. ף Wie sich Portugal zur Frage der neuen Einwanderung von Juden und der Neubelebung jüdisch kultischen Lebens stellt, das ist ans LucienWolfs Schrift (s. oben) erkannt worden. 3