Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 136 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches L^ben usw. 136 sichtspunkte ist das episodenhafte Auftreten dieser beiden trefflieh gesehenen Judentypen im Romane, deren Anteil an der HandluDg eigentlich gering ist (wenn auch Pab1o als eine Art deus ex machina zum Schluss als Retter und Freund des Helden noch einmal auftritt) und die Juden nur als Hilfsfiguren zur Illustrierung der Lieblingsthese von der Unvermischbarkeit der Rassen und der Tyrannei toter Traditionen für den Verfasser dienen. Und nun ein letztes Wort zu dem Kernproblem dieses Thesenromans von der Unvermischbarkeit und Un- Vereinbarkeit der Rassen, eine These, die der Dichter Ibanez seinen Helden mit leidenschaftlich heissem Atem vortragen lässt. Gewiss, die Phantasie und das intuitive Schauen des Dichters und Seelenkenners in Ehren — doch verlange man nicht vom Dichter, dass er Wissenschaftler und Soziologe sei, man wird daher seine These billig anzweifeln dürfen. Der Dichter Ibanez demonstriert in plastischen Typen mit überzeugender Kraft, wie auf Mallorca die Jahrhunderte alte Scheidewand zwischen stockkatholischen Spaniern und Marannen- Christen noch heute unübersteigbar ist und wie sein Held gegen diese siebenfach gepanzerte Wand vergebens anrennt. Dies mag für eine Insel mit erzkatholischer, traditionsgebundener Bevölkerung heute noch zutreffen, wohin infolge ihrer Isoliertheit kein Einfluss der Aussenwelt dringt, dort mag Rasseninstinkt, Antisemitismus, konservatives Festhalten an gesellschaftlichen Vorurteilen und natürliche Denkenge ein zureichendes Hemmnis der völligen Assimilation bilden und Rasse von Rasse auf Jahrhunderte trennen. Ob jedoch der moderne Geist des zwanzigsten Jahrhunderts nicht auch diese Schranken niederreissen wird? Denn schon für Spanien, das Mutterland selbst, trifft die These von der unverrückbaren Scheidung zwischen dan Marannen (Neuchristen) und der urkatholischen Umwelt im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts nicht zu. Gesteht doch der Dichter an mehreren Stellen seines Werkes selbst, dass in Spanien infolge neuzeitlicher freiheitlicher Einflüsse die Marannen sich ungehindert