Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 134 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Jüdisches Leben usw. der christlichen Bevölkerung dieser Inseln bis auf den heutigen Tag. Die Chuetas (Neuchristen) werden geduldet, in Gassen gesperrt, gemieden, geplündert nach Bedarf, sobald irgend ein Anlass auftaucht: eine Meuterung der Soldatenbesatzung, ein Konflikt der Bauern mit den adligen Grundbesitzern, eine Revolution im Mutterlaude Spanien, in der die Reaktionäre siegreich blieben; immer ist das Ende vom Liede, dass die Anhänger der Kirche in das Stadtviertel der Chuetas in Palma ziehen und aus den Möbeln und Habseligkeiten der Chuetas Scheiterhaufen machen — eine moderne Form der Autodafes —, ja sogar ihre Kruzifixe werden in die Flammen geworfen, denn ״Kruzifixe von Judenabkömmlingen müssen gefälscht sein“. Mitunter macht sich Pablo in einer Art satanischer Selbstzerfleischung ein Vergnügen daraus, seinen aufhorschenden Zuhörern in Gesellschaften und Cafes — er ist ein gerngehörter Sprecher — grausige Bilder aus der glorreichen Zeit der Inquisitionen mit raffiniertem Erzählertalent vorzuführen, wie auch auf Mallorca die Ganzopfer von alten und jungen Juden und schönen Jüdinnen zur grösseren Ehre des wahren Glaubens und liebreichen Christengottes vor den Augen des Hofes und der Kirche und des andachtsvoll harrenden Volkes (noch bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts, noch am 7. März 1691) als liebliche Rauchsäulen gradlinig zum Himmel gestiegen seien, und wie da der Vorfahre seines besten Freundes Jaime Ferrer (der Held des Buches) in tiefer Rührung Zeuge gewesen. Mit umheimlicher Realistik gibt er seinen stummscheuen Zuhörern die Vorgänge zum Besten, gestützt auf die Berichte und Chroniken der frommen patres, die in seinem Besitz sich befinden und die er als seinen kostbarsten Besitz schätzt, und triumphierenden Blicks weidet er sich an den stummen Qualen der Umsitzenden. »Die Schilderungen dieser barbarischen Vorgänge verfehlten ihre Wirkungen nicht, man hörte kein Lachen mehr, die Gesichter wurden finster. Der Kapitän Valls liess seine Augen im Kreise herumgehen, befriedigt, als hätte er einen Sieg errungen“ (S. 59;. Unübersehbar bleibt die Mauer, die noch heute die eingeborenen Spanier auf Mallorca von den