Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 133 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben usw. 138 und Verantwortung gemeinsam mit den Geschlechtern der Vergangenheit, ein jeder fühlt sich als Glied einer unendlichen Kette, die in die fernste Vergangenheit reicht, und frevelhafte Vermessenheit ist es von einzelnen, diesen kulturell-religiösen Zusammenhang zu leugnen. In diesem Punkte mag die Handlung des Buches didaktisch sein für manche jüdischen Jünglinge, die den Gedanken einer Mischehe aus Liebe als etwas garnicht so Absurdes erklären, und sie zu tieferem Nachdenken veranlassen. Doch abgesehen vom Didaktischen liegt der Hauptreiz des Buches für uns einmal im Kulturhistorischen, ferner in der Eindringlichkeit und Schärfe, mit der hier die Frage der Rassenmischung behandelt wird. Das Jüdisch- Kulturkundliche: Zum ersten Mal vielleicht seit Jahrhunderten werden uns Typen unsrer verloren geglaubten Brüder aus dem modernen Spanien lebensatmend vorgeführt. Denn die Brüder Benito und Pablo Valls sind, trotz ihres verlorenen jüdischen Glaubens, Typen unsres Volkes. Benito* der begüterte Grosskaufmann, der durch schwere Geldopfer und fanatischen Glaubenseifer die Echtheit seiner Zugehörigkeit zur katholischen Kirche erweisen will, und der Kapitän Pablo* sein Bruder, der weitläufige Skeptiker, der bei jeder Gelegenheit die randvolle Schale seines Spottes über alles ausgiesst, über die kleingeistigen Bewohner Mallorcas wie über seine glaubenssüchtigen Brüder. Pablo fühlt sich als nationaler Jude, seitdem er auf seinen Reisen auf dem Kontinent vollbewusste* rassenstolze Juden kennengelernt hat. Nicht als Schimpf, sondern wie eine Krone trägt Pablo seine jüdische Abstammung zur Schau, ja noch mehr, wie giftige Stacheln schleudert er diesen hochmütigen, liebeleeren, engstirnigen Christen ihre Kulturschande ins Gesicht, und auch seine bekehrten Brüder, die Marannen, verschont seine ätzende Ironie nicht. מWelches Glück, katholisch geworden zu sein! Die Vorfahren wurden auf den Scheiterhaufen geröstet, und die Nachkommen bleiben trotz Taufe und Weihwasser auf Jahrhunderte gekennzeichnet“ (S. 56)! Denn unausschöpfbar wie das Meer bleibt der Hass