Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 132 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben usw. 132 alles ist ererbt, ein Vermächtnis der Toten, die in uns weiterleben.“ (S. 87). Wahnsinn und Anmassung ist es, sich ihnen widersetzen zu wollen. Und das tyrannischste aller überlieferten Gesetze ist das der Kasse, das ist die konstituierende Lehre des Komans. So handelt der Held des Romans konsequent, indem er schliesslich auf die Hand der rassefremden Marannin verzichtet. In seiner seelischen Zerrissenheit zieht der Held sich auf eine der kleineren benachbarten Inseln zurück, er macht dort unter dem sänftigenden Einfluss der Meeresküste einen Heilungsprozess durch und heiratet zum Schluss nach langem Schwanken die Tochter eines Bauern- Pächters, die, wenn auch nach ihrer sozialen Herkunft weit unter ihm, jedoch an Rasse gleichartig, ihm eine ruhigere Zukunft verheisst. So endet dieser romantische Ausflug eines Uradligen in das Nimmerland der Vorurteilslosigkeit. — Der Reiz dieses gedankentiefen poesieumrankten Buches liegt für uns Juden weniger im Künstlerischen, weniger in der idyllischen, aparten Wiedergabe des fremdartigen Milieus und der ungemein naturnahen* fast sachlich strengen Schilderung des exotischen Landschaftcharakters (wie weiss z. B. der Dichter das Erlebnis des Meeres und seiner Inseln einzufangen!) und der von jeder Moderne unberührten Inselbevölkerung auf Mallorca, — der Schwerpunkt liegt für uns im Seelischen, in der Tragödie, die sich in der Seele des Helden abspielt. Es ist im höchsten Grade aufreizend, sich in die Seele dieses Helden hineinzubohren und dessen Seelenqualen im Gespenster- Kampfe mit der Borniertheit und den Rassenvorurteilen der Umwelt und der Vergangenheit, Qualen, die sich manchmal bis zum Fieberdelirium steigern, im Geiste zu teilen. Und wenn der Held in diesem Kampfe unterliegt und den Geist der Tradition als übermächtig zwingend anerkennt — so fühlen auch wir Juden: Es liegt etwas Jenseitiges, Ueberirdisch-Schicksalhaftes, Metaphysisches in diesem Geiste eines traditionstreuen Volkes, ein jedes Geschlecht trägt die Bindung