Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 130 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Leben usw. 130 begnügt sich nicht, ein mechanisch schaffender Anbeter und sklavischer Abschilderer der Wirklichkeit mit all ihren erdgebundenen Einzelheiten zu sein, er fasst vielmehr die Wirklichkeit in einem grossgeschauten Symbol zusammen (man denke an Zolas Romane: La Terre, Paris, Lourdes). Auch in dem vorliegenden Romane sind die Toten, die den Lebenden befehlen, als geheime Triebkraft eingeführt j sie sind es, die das Wollen und Handeln des Helden Jaime Febrer zutiefst entscheidend lenken. Jaime ist der letzte Abkömmling des ehemals die Inselgruppe Mallorca (östlich von Spanien) beherrschenden Adelsgeschlechts. Der Febrer, ein modern erzogener und modern denkender Adelsspross, der das Wagnis unternimmt, gegen die verknöcherten Traditionen seines Geschlechts und seiner insularen Umwelt anzukämpfen, zum Schluss aber bei diesem aussichtslosen Kampfe unterliegt. Dieser letzte Spross des ehemals hochgefeierten, von allen Königen Spaniens ausgezeichneten Adelsgeschlechts auf Mallorca nennt jetzt nichts mehr sein eigen als einen prunkvollen Palast, in dem aber jetzt die Armut haust und kein Stück mehr sein Eigentum, alles den Gläubigern gehört. Dieser heruntergekommene Edelmann des neunzehnten Jahrhunderts möchte sein Adelswappen — er hat das auf seinen europäischen Reisen gelernt — durch eine Heirat mit der Tochter eines C h u e t a, eines Juden, neu vergolden. (Chuetas heissen die Juden, die sich nach den grossen Juden- Vertreibungen aus Spanien auch auf der Inselgruppe Mallorca nach ihrer Bekehrung zum Katholizismus angesiedelt haben.) Die Chuetas leben auf Mallorca, trotz ihres grossen Vermögens und trotz ihrer weitreichenden Handelsbeziehungen, noch immer in sozialer Aechtung und Vereinsamung. Jaime Febrer, der moderne Globetrotter, der von religiösen und gesellschaftlichen Vorurteilen frei zu sein sich dünkt, will den jahrhundertealten Vorurteilen der stockchirchlichen Bevölkerung, seiner Verwandtschaft, seiner Standesgenossen mutig Kampf ansagen, er will die Stimmen des Blutes und des Herkommens in sich zum Schweigen bringen, aller Achterklärung und Unvernunft zum Trotze eine Chueta zur Lebensgefährtin machen — allein die Stimmen des