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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 128 (sequence 26)
Language
German
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28־1 Jüdisches Leben usw. haben L. Wolf ihrer vollen Sympathie und Mithilfebereitschaft bei der Verwirklichung seiner weitschauenden Pläne versichert. Allerdings macht der Verfasser dieser Propagandaschrift aus mancher Schwierigkeit keinen Hehl: Erstens eine gewisse Abneigung und Zurückhaltung der Marannen selbst gegen die Formen des Judentums im europäischen Kontinent; die Marannen behaupten nämlich, ihr bisheriges vereinfachtes geheimes Judentum sei die einzig wahre Form des Judentums, sie sträuben sich gegen eine Erweiterung jüdischer Religionsformen, die natürlicherweise eine Erschwerung ihrer bisherigen Lebensformen bedingen würde. Diese geistigen und materiellen Widerstände könnten nur durch eine Erneuerung und Wiederbelebung der geistigen und seelischen Kräfte, durch Erweckung des moralischen Stolzes insbesondere bei der heranwachsenden begeisterungsfähigen Jugend bewältigt werden. Zweitens erfordert die Propaganda für diese Idee die grösste Diskretion: Eine solche religiöse Propaganda müsste sich der grösstmöglichen Vornehmheit und Zurückhaltung befleissigen, um nicht den Hass und die Verhetzung von seiten des Klerus herauszufordern, der, obwohl im modernen demokratischen Portugal seines Einflusses beraubt, dennoch mit Hilfe des Papstes und einflussreicher Freunde jede geräuschvolle grossangelegte Bewegung, die ihm seine Bekenner en masse abwendig zu machen abzielte, sofort mit einer Gegenbewegung beantworten würde׳ Wenn auch die öffentliche Meinung sowohl in Portugal wie in Spanien zur Zeit entschieden judenfreundlich ist, müssten dennoch alle solche Bestrebungen zur Rückbekehrung und Judaisierung der Marannen und Neuchristen, soweit sie ihren Willen zum Judentum bekunden, mit grösstem Takt und Geschick geleitet werden. Auf jeden Fall sei es Ehrenpflicht jeder jüdischen Gemeinschaft und gebiete der jüdische Zusammengehörigkeitsgedanke, so schliesst der gewiss nicht utopistische Lucien Wolf seine Schrift, diesen Marannen, die ihr Judentum zu verlebendigen und zu bejahen willens sind, sie, deren Vorfahren in jahrhundertealter, beispielloser Unentwegtheit und mit Blutopfern ohne Zahl ihren Helden-

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