Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 123 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Pessimismus und Messiashoffhung 123 Lewis.“ Darauf er: Wann kommst Du, Moschiach?״ Er antwortete: ״Heute.״ Darauf ging Rabbi Josua zu Elia zurück. Dieser sprach: ״Was hat er Dir gesagt?“ Er sagte: ״Friede mit Dir, Sohn Lewis.“ Darauf sagte er: ״Dann bist Du und Dein Vater gewiss ein Kind der kommenden Welt.״ Da sagte er: ״Er hat mir gegenüber aber doch gelogen, denn er sagte: heute kommt er, und er ist nicht gekommen.״ Darauf erwiderte er: ״Das ״Heute“ ist so gemeint: ״heute, wenn ihr auf Seine Stimme höret.״ Rabbi Josua ben Lewi, der grosse Agadist, überdenkt das Kommen des Messias. In der Weltabgeschiedenheit seines Sinnens, ״am Eingang der Höhle des Bar Jochai“, trifft er den Messiaskünder Elia. Dieser aber lehrt ihn den Gesuchten anderswo finden: an der Stätte realsten Lebens, am Tore Roms. Dort wartet er. Dort wo das Weltreich sich bilden will, harrt er, dass dieses allumfassende, die Erde umspannende Reich nach der Gerechtigkeit, nach Liebe, nach dem Gotte Israels und seinem Gesetze ruft. Er ist bedeckt mit Wunden und neben ihm unzählige Leidende, die draussen bleiben müssen, aber auch hinein wollen; sie vergehn aber an ihren Wunden, ihr Leid nimmt sie gefangen; er aber, wohl fühlt er sein Web, er will es nicht verewigen, er verbindet eine Wunde, aber in jedem Augenblicke bereit zur Tat, zur erlösenden. Diese erfüllt seine Gedanken. Drob vergisst er sein Leid. Darum ist es keine Lüge, dass er heute kommt, heute, in die neue Welt, für das neue Herz, für den neuen Israelsberuf, wenn wir nur den alten Gottesruf hören wollten. Von dieser Agadah wollen wir lernen! Kein Kult des Judenleids, kein Aufreissen aller unsrer Wunden! Ueber allem Leide steht obsiegend die Würde der freien, unbedingten jüdischen Tat, steht Israels und des Messias ewig neuer Name, an den zu glauben unser Optimismus ist. Wer diese bejaht, wer an den Toren Roms eine Antwort des Messias empfängt, der ist selbst bestimmt zum Bürger des Messiasreiches.