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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 121 (sequence 19)
Language
German
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Pessimismus und Messiashofinung 121 Wirklichkeit, eia Galgenhumor der Gehängten gegen den Henker des Lebens, hier ist das ״Sollen“ ein Erfassen des wahren Sinnes der noch nicht offenbar gewordenen Natur der Wirklichkeit, die nach Offecbarwerden schreit, damit wir der Tendenz der Wirklichkeit entgegenkommen; dort eine Vergewaltigung, hier eine Vollendung der zur Entdeckung gekommenen inneren Natur der Dinge. Dort ein Traum, hier wahrste Wahrheit. Dort gibt es kein Neues unter der Sonne; in dem scheinbar Neuen nur neuer Betrug des dunklen Lebenswillens, uns nur umso tiefer in den Abgrund der Vernichtung zu stürzen; hier ist ein echtes Neues, das den Mut uns gibt, wieder erneut, unter gesünderem, hoffnungsvollerem Aspekte den Weg des Lebens weiter zu schreiten. Dort ist Fortschritt nur ein Wahnsinn; das Opfer schmückt sich noch, um dem Schlächter noch bequemer in die Hand geliefert zu werden. ״In Schönheit sterben“ ist nur noch tieferes Unglück. Man hebt sich auf eine höhere Stufe empor, damit der Absturz, der unvermeidliche, in die Tiefe nur noch schmerzhafter wird. Daher verwerfen wir die Romantik, das Schäferspiel, die Natur als Erneuerin des Lebens. Retournons ä la nature kann nur die Antwort auf einen Pessimismus der Kultur sein. Im Judentum ist ein echter Fortschritt denkbar. Wenn das Chaos nicht überwunden ist, so liegt es daran, dass dieses die ewige Unruhe der Lebensuhr ist, nicht, wie bei Schopenhauer, sein Pendel. Das Chaos ist das ständig Fruchtbare, ורוח אלוק' מרחפת זה החו של משיח darüber der Geist des Messias brütet, wie die Taube über den Eiern. Aller Fortschritt ist real; nur darf er nicht zur Verwechslung mit dem Ende führen. Fortschritt ist nicht Ende. Wer halben Weges stehen bleibt, ist törichter, als wer zu Hause bleibt. Sich auf den Weg machen, bedeutet, ihn zu Ende gehn zu wollen. Daher die Frühermüdeten, die Lahmen nach Hause schreien, wenn sie mitten des Weges die Furcht packt. Aber dieser Schrei nach der guten alten Zeit ist Angsterscheinung, Lähmungsfolge. Wir aber schreiten mit wundem Leib, aber neuer Seele, der aufgehenden Sonne entgegen. Die Sonne des Messias ist noch nicht aufgegangen, nur das Morgenrot verkündet 2

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