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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 120 (sequence 18)
Language
German
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120 Pessimismus und Messiashoffnung’ von gestern war nur schlecht, die alte, die über״ wundene; die Welt heute, die neue, ist gut. Heute verwirklicht sich das Weltenziel. Es geht wie bei der Schöpfung Gottes. Jeder Teil, als er vollendet war, da sah ihn Gott, und es war gut. Erst als alles vor Seinem Auge lag, da war die Welt schrecklich gut; da erst zeigte sich, dass die Weltharmonie noch Dissonanzen zeigte, Klänge, die Herz und Gemüt zerreissen. So sollen wir durch das Leben schreiten: täglich eine neue Welt erzeugen, täglich ein neues Herz uns geben, täglich neu die jüdische Tat vollführen, und das alles ist gut. Dann aber schauen wir auf das All zurück, auf alles, was da atmet und was nach Gestaltung ringt, dann ist die Welt noch schrecklich gut, dann kommt die unendliche Aufgabe, das noch unerreichte, immer spornende Ideal, das näher kommt und näher, das am Ende wirklich werden wird und soll. Bis der Tag kommt, der selige, der herrliche, da die Menschheit einen Jubelchor bildet und ruft: Danket Gott, denn Er, denn es, denn Alles ist gut. Vergleichen wir also den echten Pessimismus und seine Erlösungstheorie mit dem Messianismus. Wir haben gesehen: die Auffassung von dem blinden Willen zum Leben führt zum Pessimismus. Bei ihm ist die Glückseligkeit durch die Natur des Willens ausgeschlossen, bei dem Messianismus die Glück״ Seligkeit aus innerer Moral abgelehnt. In ersterem Fall ist die Sinnlosigkeit des Daseins, die Verewigung des Chaos Folge des Weltprinzips; daher Erlösung ein negativer Begriff, Selbstertötung; das Leid ist erdrückend, weil wertlos, unbehebbar. Im andren Fall ist die Unvollkommenheit des Daseins, das Chaos unendliche Aufgabe, die Erlösung Ziel, das kommt und kommt, Olam haba; das Leiden der Aus״ druck unserer Mithilfe am Reich, die Bezeugung unserer Ueberweltkindschaft, der ewige Stachel zur Leistung, zur positiven Arbeit an der Welt. Der Pessimismus führt nach Athos, an den Ganges, ins Kloster, das Judentum hinein ins Leben, ins Wirken. Dort ist ein ״Sollen“, ein Wille zum Höheren ein Hinausfallen aus der

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