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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 119 (sequence 17)
Language
German
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Pessimismus uud Messiashoffnung 119 Weltarbeit steht gewissermassen unter ganz andersartigen Voraus- Setzungen als vorher. Das gleiche gilt aber von jeder Erfindung und Entdeckung, ja jeder kleinsten Umgestaltung der Gegebenbeiten des Erdballs, jeder weiteren Errungenschaft und An- Wendung der Technik, wenn man ihre Wirkungen auf das Leben zu Ende denkt. Aehnlich ist es mit der geistigen Welt. Sie war beispielsweise nach Schaffung von Rambams Mischne Thora oder Raschis Talmudkommentar eine völlig andere als bisher, etwa wie auch Kants Kritik oder Goethes Faust den geistigen Weltaspekt gänzlich umgestaltet haben. Unter neuen Bedingungen treten wir an die Lösung unserer geistigen Aufgaben heran, auf einer neuen Erde, unter einem neuen Himmel. Ebenso unterliegt der Mensch ständiger Erneuung. Das Innere wird genau genommen mit jeder neuen Mischnah, jeder bisher noch nicht erfassten Bibelstelle ein anderes, unvergleichbar dem früheren Menschen. So erfahren Herz und Geist, Wille und Gemüt durch jeden Zuwachs an Wissen und jede Handlung der Teschuwa neuartige Konstellationen, von denen aus ihre Betätigung ungeahnte neue Möglichkeiten gewinnt. Endlich ist Israels und des Messias Namen täglich neu, denn für die veränderten Bedingungen des Seins erhalten sie jeweilig eine neue, andersartige Bedeutung und Betonung. Immer neu wollen sie erfasst sein entsprechend den Erfordernissen der neuen Erde und des neuen Menschen. Zusammengefasst: Mit jedem Schritt der Kulturentwicklung ist die Welt neu, mit jeder Erweiterüng unsres Denkens, jeder Betätigung unsres Willens ist Herz und Seele neu, in jeder Geschichtsepoche ist die Welttat Israels, die Messiashoffnung neu. Der neue Himmel und die neue Erde, das neue Herz und der neue Geist, die neue Tat und der neue Erfolg aber sind in jedem Augenblicke verwirklicht, sie sind schon da. Welche Beseligung in unsrer Arbeit, welche Beflügelung unsrer geistigen Anstrengung, welche Würde unsrer Liebestat! Das ist der neue Optimismus, den das Midraschwort lehren will: die in jedem Moment erfüllte Messiashoffnung. Die Welt

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