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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 118 (sequence 16)
Language
German
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118 Pessimismus und Messiashoffnung Ernst dieser Eotscheiducg verhehlt sich niemand. Denn das Leid ist doch der einzige Lehrmeister dieser Welt. Der Sohn Davids kommt nur, wenn keine Pruta mehr im Beutel ist, wenn alles Feste und Sichere aufhört, wenn die Menschheit ihrer Ohnmacht sich bewusst wird und daraus versteht, dass nur die Rückkehr zur Gottesknechtschaft die Gebrechen der Welt heilt. Was ist also unser Endergebnis? Gewiss kann mit dem Schlagwort vom Pessimismus allein die Anschauung des Judentums nicht gekennzeichnet werden. Und ein Optimismus wie der hellenische ist für uns typisch heidnisch. Das jüdische Auge ist tiänenumflort, es blickt ernst und herb in die Welt. Des Jubels ist der Mund nicht voll. Zur ungemischten Freude sagen wir mit Koheleth: Du bist toll, zum Lachen: was sollst Du uns! Aber die Messiaskoffnung ist und bleibt das letzte Wort. Es kommt, von Gott verbürgt, eine Zeit, da die Träne schwindet von jeglichem Angesicht. Aber was will diese Hoffnung, die uns in die Ferne der Zeiten, ans Ende der Tage vertröstet? Gilt nicht auch hier die Alternative des Alles oder Nichts? Können wir nur sagen: wir sind Optimisten der letzten Zukunft, Pessimisten des Jetzt? Kann uns die Welt genügen, wenn wir ihre Halbheit doch nie überwinden? Ein Midraschwort sei zur Beantwortung dieser Frage herangezogen: שלשה דכרים נקראים חדשים: שמים וארץ שנאמר כאשי השמים החדשים והארץ החדשה וגו׳, לב ורוח שנאמר ונתתי לכם לב חדש ורוח חדשה אתן בקרבכם, ישראל ושמו של משיח שנאמר וקורא לך שם חדש וגו׳. »Drei Dinge heissen [ewig] neu: Himmel nnd Erde, Herz und Geist, Israel und des Messias Wesen“. Ein wunderbares Wort! Ein Wort voll Trost und Zuversicht! Zuerst Himmel und Erde, die Körperwelt und Geisteswelt ist ewig neu. Nehmen wir ein schlichtes Beispiel. Die Welt nach dem Bau der transsibirischen Bahn ist eine neue, noch nie dagewesene Welt. Alle Verhältnisse des Verkehrs, des Handels, die Verbindung unter den Menschen sind mit einem Schlage verändert worden. Unsere

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