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Jeschurun · 1927-03-01 · Heft 3-4 (März 1927) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
14 (1927)
Issue
Heft 3-4 (März 1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 117 (sequence 15)
Language
German
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Pessimismus und Messiashoffnung 117 Aussaat ist keine vollwertige. Aus den Tränen aber wächst Jubel; gerade Tränen sind jener edle Saft, von dem begossen das Reis Davids blüht. Aber die Worte des Jesajas zeigen, dass die Gottesknechtschaft eine Entscheidung von schwerer Tragweite ist. Denn der Weg der Welt ist furchtbar. In Zeiten robuster Gewalt wie der Römerherrschaft kommt aus dem Munde der Weisen manches Wort der gleichen Prägung wie obige Agadah: ״Kommen wird der Messias, aber — ich möchte ihn nicht sehen.״, denn, so haben wir zu ergänzen, ich kann das seinem Kommen vorangehende Menschenleid nicht mit ansehn. ״Wann kommt der Messias?: wenn das Tor, die Stätte des Rechts und der Gesittung, stürzt und aufgerichtet, wieder stürzt und immer wieder stürzt, wenn die Wasser der Jordanquelle sich in Blut verwandeln (Sanh. 98)*). Zwar setzten andre den freudigen Willen, alles Leid in den Kauf zu nehmen, dieser pessimistischen Stimmung entgegen: Raw Josef sagt: (daselbst) ״Soll er nur kommen, ich will sitzen im Schatten des Kotes seines Esels“. Aber den *) Genau lautet der Ausspruch: Es fragten die Schüler den Rabbi Jose ben Chisma: ״Wann kommt der Sohn Davids?‘‘ Da antwortete er, ״ich furchte, Ihr werdet ein Zeichen verlangen“. Da sagten sie: ״Wir werden von dir keinerlei Zeichen verlangen“. Da sagte er: ״Wenn dieses Tor stürzt und gebaut wird und wieder stürzt, so wird man nicht Zeit haben, es wieder aufzubauen, und der Sohn Davids wird schon gekommen sein“. Da sagten sie: ״Gib uns ein Zeichen“. Darauf er: ״Ihr habt mir doch versprochen* keines zu verlangen?“. Da sagten sie; ״Dennoch“. Darauf sagte er: ״Ist dem so, so werden die Wasser der Höhle von Pamias sich in Blut verwandeln.״ Und sie verwandelten sich in Blut“. Den Sinn dieser Agadah sehe ich in Uebereinstimmung mit den ausgeführten Gedanken im Folgenden: Der Meister will nicht aussprechen, unter was für Umstünden der Messias kommt, will von den Leiden nichts über seine Lippen bringen, um nicht gewissermassen seinen Mond dem Satau zu öffnen- Er sagte also: ״Die Herrschaft, die sich im Tore präsentiert, muss stürzen, eine neue kommt und wenn diese stürzt und man will eine neue aufrichten, dann hat die Stunde des Messias geschlagen“. Die Schüler aber verlangen dennoch, der Rabbi soll ihnen in einem Zeichen bedeuten, unter welchen Umständen diese Aufrichtung des Messiasreiches vor sich geht, und dann zeigte er wider seinen Willen, dass die Wasser der Jordanquelle von Blut gerötet sein werden.

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