Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1927)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1927)
- Date
- 1927-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang 5687 ניסן — אדר März-April 1927 Heft 3/4 Pessimismus und Messiashoffnung Die Weltbewertung des Talmud. Von Dr. Joseph Carlebach. Pessimismus und Optimismus gehören zum Sprach- und Denkschatz jedes Gebildeten. Sie sind Prüfsteine aller geistigen Einstellungen geworden. Dabei gebärdet sich der Optimismus als die moralischere Auffassung und erfreut sich der grösseren Beliebtheit. Es ist aber verhängnisvoll, wenn Begriffe, von ihrer philosophischen Begründung losgelöst und zu populären Schlagwörtern verblasst und abgegriffen, als Masstäbe jüdischer Weltauffassung verwendet werden sollen. Selten wird ein Schema dem wahren Sinn der Religion und ihrer umfassenden Betrachtungsweise gerecht. Dazu ist man von vornherein durch die volkstümliche Bewertungsweiso gewissermassen in eine Verteidigungsstellung gedrängt; die Berechtigung der Religion muss sich in ihrer Uebereinstimmung mit dem Lieblingsbegriffe des Massenbewusstseins erweisen. Fragt man dich: ist das Judentum optimistisch oder pessimistisch?, so hast du für die Antwort eigentlich keine Wahl: weh, wenn du nicht gegen den Pessimismus optierst! Der naive Optimismus bat seine Formulierung in dem Satze gefunden: ״Alles Wirkliche ist vernünftig; alles Vernünftige ist wirklich.“ Durch die Brille dieser Anschauung gesehen, liegt die Welt in rosigem Lichte da, lachend blicken wir in sie hinein, wie der antike Hellene, der in dieser Erde das Gefilde der Seligen besass nnd den Kosmos als etwas Vollkommenes liebevoll umfasste. Verächtlich schaut l